Worte sind Werkzeuge. Werber nutzen sie, um uralten Produkten neuen Glanz zu verleihen und um ihre eigene Bedeutung aufzupolieren. Wichtig zu wissen: Weder Produkte noch Worte müssen neu sein. Sie müssen nur neu klingen. Und das geht so:

Wollen Sie beispielsweise Ihr Produkt verändern (nicht: verbessern!), sprechen Sie ab sofort nur noch von einem Rebrush. Das heißt drüberbürsten oder neu anstreichen und bedeutet dasselbe, was Sie noch vor Jahren als Relaunch, also als Neustart, bezeichnet hätten. Bei einem Neustart startet man ein Produkt neu, das beim vorherigen Start (dem Launch) entweder gar nicht abgehoben oder nur kurz geflogen ist. Denken Sie an nordkoreanische Raketen: Wenn diese nicht direkt nach dem Countdown explodieren, zerschellen sie nach überraschend kurzem Flug am Boden. Bei einem Relaunch würde man versuchen, die Trümmer doch noch in die Luft zu bringen, beim Rebrush malt man sie einfach neu an und hofft, dass sie jemand kauft.

Keinesfalls dürfen Sie das jedoch verraten, indem Sie eine öffentliche Mitteilung machen! Ein Announcement von der Bedeutungsschwere einer Regierungserklärung ist das Mindeste. Besser noch, Sie leaken die Information. Seit Wiki-, Vati- und Luxemburg-Leaks ist alles, was nach Durchsickern klingt, mit einer geheimnisvollen Aura verbunden, was Ihre frisch gestrichenen Raketentrümmer erst recht interessant und begehrenswert macht.

Damit Ihr Leak zum gewünschten Erfolg führt, muss es natürlich die richtigen Leute erreichen. Idealerweise sind das Menschen, die andere Menschen dazu bringen können, Raketentrümmer zu kaufen. Man nennt sie Influencer, übersetzt bedeutet das Beeinflusser. Von Multiplikatoren, Early Adopters, Topentscheidern oder Trendsettern unterscheiden sie sich jedoch dadurch, dass sie jeden rebrushten sprachlichen Blödsinn nicht flexibel übernehmen. Heute nennt man das: agil.