Es begann damit, dass plötzlich eine alte Toilettenschüssel in Frauke Wagners Treppenhaus stand. Niemand wusste, wer sie dort abgestellt hatte, von den Nachbarn war es jedenfalls keiner, sagt Wagner. Dann, einige Wochen später, versprühte jemand Buttersäure vor der Tür einer Mieterin, eine farblose Flüssigkeit, die nach Erbrochenem riecht und in den Augen und im Hals brennt. Das LKA ermittelte wegen gefährlicher Körperverletzung, aber vom Täter gab es keine Spur. Nochmals einige Wochen später wurde das Glasfenster in der Wohnungstür eines Nachbarn mit einem Stein eingeworfen, an einem Sonntagmorgen. Auch hier: keine Hinweise auf einen Einbruch an der Haustür. Der Täter musste einen Schlüssel gehabt haben.

Frauke Wagner lebt in einem Viertel mit vielen Spielplätzen, in einer Straße mit sorgsam gehegten Blumenbeeten vor sanierten Altbauten, in einer hellen Wohnung mit Holzdielen und Designermöbeln. Eigentlich könnte alles perfekt sein, doch seit einiger Zeit fühlt sie sich zu Hause nicht mehr wohl. Sie hat Angst.

Sie schiebt vor dem Schlafengehen jetzt immer den Sicherheitsriegel vor die Tür, und wenn sie die Wohnung verlässt, schließt sie doppelt ab. Früher, sagt sie, habe sie an so etwas nie gedacht. Damals hatte das Haus noch einen anderen Besitzer gehabt, ruhig sei es gewesen, normal eben. Erst mit dem Eigentümerwechsel wurde es ungemütlich.

Für Frauke Wagner und ihre Nachbarn ist klar, warum: Das erklärte Ziel des neuen Vermieters Sven Basner sei es, alle bestehenden Mietverträge aufzulösen. Danach wolle er die Wohnungen luxuriös sanieren oder teurer verkaufen. Wenige Wochen nachdem Basner das Haus gekauft hatte, habe er angekündigt, nun müssten alle ausziehen, berichten viele Mieter. Bald darauf lagen die Mietaufhebungsverträge im Briefkasten. Als sich einige Hausbewohner weigerten, auszuziehen, begann, was Frauke Wagner "Terror" nennt. Gezielte Anschläge auf renitente Mieter, so sieht sie es.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 29 vom 7. Juli 2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Eine Kloschüssel, Buttersäure, ein Stein. "Was kommt als Nächstes?", fragt sie.

Diese Geschichte handelt nicht nur von einem Vermieter, dem seine Mieter zweifelhafte Methoden vorwerfen. Sondern auch von Behörden, die es nicht schaffen, Aktivitäten wie den beschriebenen Einhalt zu gebieten. Der Fall von Frauke Wagner zeigt, wie die Verwaltung daran scheitert, Gesetze auf dem Wohnungsmarkt durchzusetzen und Verstöße zu ahnden.

Der Hamburger Mietmarkt gehört zu den angespanntesten Deutschlands, gerade in begehrten Stadtteilen wie Eimsbüttel, wo Wagner seit Jahrzehnten wohnt. Um Spekulation mit Wohnungen zu unterbinden, gibt es in Hamburg das Wohnraumschutzgesetz. Es soll verhindern, dass Wohnungen zweckentfremdet werden. Sie dürfen beispielsweise nicht länger als vier Monate leer stehen, wenn sie nicht gerade renoviert werden. Vor drei Jahren verschärfte die Bürgerschaft das Gesetz noch: Die Einhaltung sollte seither besser überprüft werden.

Besonders gut jedoch scheint das nicht zu funktionieren. Frauke Wagner wohnt mittlerweile allein in ihrem Haus, das acht Wohnungen hat. Sie hat dokumentiert, wie das Gebäude immer mehr zum Geisterhaus wurde: Eine Wohnung ist seit Frühjahr 2014 unbewohnt, eine andere seit Ende 2014, drei weitere stehen seit Mitte 2015 leer. Renoviert, sagt Wagner, werde keine der Wohnungen, zur Miete würden sie auch nicht angeboten.

Wenn Wagner nun durchs Treppenhaus in ihre Wohnung steigt, ist es bis auf das Knarzen des Holzes vollkommen still. Es sei ein beklemmendes Gefühl, sagt die 48-Jährige. "Ich weiß ja auch nie, welche Schikane er als Nächstes aus dem Ärmel zieht – und dann bin ich ganz allein." Es sei jetzt ein Leichtes, in ihre Wohnung einzubrechen, fürchtet sie. Deshalb bat sie darum, weder ihre Adresse noch ihren tatsächlichen Namen in diesem Text zu nennen.

Ausgeliefert und schutzlos, so fühlen sich viele Bewohner von Basners Häusern. Wer ist dieser Vermieter, der seinen Mietern solche Angst macht?

Die ZEIT hat ein Jahr lang beobachtet, was in Basners Immobilien passierte. Es wurde klar, dass sich die Vorkommnisse nicht auf das Haus von Frauke Wagner beschränken. Zahlreiche weitere Mieter klagen darüber, von Basner "terrorisiert" zu werden. Klar wurde auch, dass dem Vermieter nichts nachzuweisen ist. Verschiedene Ermittlungen gegen ihn wurden ergebnislos eingestellt.

Sie nennen ihn "das Phantom", weil der Vermieter fast nie zu erreichen ist

Auffällig ist das Muster: Übernahme eines Hauses durch Basner – dann Buttersäure-Anschläge, mit Klebstoff verstopfte Schlösser, Heizungsausfälle im Winter. Bei drei Immobilien lief es so. Der Vermieter selbst blieb stets im Hintergrund, viele nennen ihn nur "das Phantom". Er sei fast nie zu erreichen, tauche dann plötzlich auf und verschwinde ebenso rasch wieder. Auch die ZEIT wird dem Immobilienfachwirt am Ende eher zufällig begegnen.

Am Telefon erreicht man Sven Basner nicht, auf Mails kommt nur eine förmliche Antwort. Man solle die Fragen schriftlich stellen, er werde sie dann nach Rücksprache mit seinem Rechtsanwalt "in einer angemessenen Frist beantworten".