Von Castle Freeman, geboren 1944 in Chicago, Autor von fünf Romanen und zwei Erzählungsbänden, hatte ich nie gehört. Das Buch Männer mit Erfahrung lag auf dem Stapel und fiel mir beim Wegräumen in die Hände. Ich blätterte darin, fing an zu lesen und hörte nicht mehr auf. Es ist spannend, hat eine lakonische Sprache und hintergründige Dialoge mit einem speziellen Witz. Der Roman gehört zu jenen, die man weglesen kann, doch ist er pfiffig gemacht und bleibt im Gedächtnis.

Die Geschichte spielt in einem Kaff irgendwo in den Wäldern von Vermont. Eine junge Frau kommt zum Sheriff und bittet um Hilfe: Ein Typ namens Blackway, bekannt als übler Bursche, stellt ihr nach. Er hat die Scheibe ihres Wagens eingeschlagen und ihrer Katze die Kehle durchgeschnitten. Der Sheriff sagt, das genüge nicht für eine Festnahme, er könne da nichts machen. Die junge Frau will gehen. " 'Setzen Sie sich', sagte der Sheriff. 'Gibt es hier in der Gegend Leute, die Sie kennen? Verwandte?' – 'Nein, niemanden.' – 'Woher stammen Sie?' – 'Nicht von hier.' – 'Dann gehen Sie weg', sagte der Sheriff. 'Nein.' – 'Warum nicht?' – 'Weil ich nichts getan habe. Blackway hat was getan. Soll Blackway doch weggehen.' – 'Blackway ist aber von hier', sagte der Sheriff."

Er schickt sie zu dem alten Whizzer. Der sitzt wie jeden Tag mit ein paar Freunden im Sägewerk. Dort trinken sie und lassen Gott einen guten Mann sein. Whizzer findet Gefallen an der Frau, weil sie sich nichts gefallen lässt. Er schickt nach Nate und Lester. Nate ist ein junger Riese, "intelligenter als ein Pferd, aber nicht so intelligent wie ein Traktor". Lester hingegen ist ein Veteran mit Erfahrung, vertraut mit allen Tricks.

Lester, Nate und die junge Frau setzen sich auf die Spur von Blackway. Es gibt einige wildwestfilmreife Szenen, am Ende einen brutalen Showdown. Das Ganze ist ein höchst lesbares und lesenswertes Capriccio.