Wer viermal hintereinander bei Wahlen triumphiert, sollte wohl wenig ändern an seinem Politikstil. Klar, dass Japans Premierminister Shinzo Abe kaum Neues versprach, als er Sonntagabend vor die Kameras trat. Nach 2012, 2013 und 2014 hat er gerade auch die jüngste Wahl mit klarer Mehrheit gewonnen.

Abes Erfolge gründen nicht nur auf einer geringen Wahlbeteiligung. Nur jeder zweite Japaner gab zuletzt seine Stimme ab. Wer ihn wählte, vertraute auf ein Versprechen, wonach der Wirtschaftsaufschwung schon kommen werde, wenn man Abe nur machen lässt. Sein Parlament werde sich voll auf Wachstum konzentrieren, sagt er nach der Wiederwahl. "Das ist es, was wir jetzt brauchen."

Japans Premierminister hatte die Wahl des Oberhauses, der zweiten Kammer im Parlament, zur Abstimmung über seine Wachstumsstrategie erklärt, die nach ihm "Abenomics" getauft wurde. Ihre Kernelemente: noch höhere Staatsausgaben, eine noch lockerere Geldpolitik und einige liberalisierende Strukturreformen. Damit sollte Japan endlich wieder die alte Wachstumsmaschine werden.

Noch aber ist das vor allem eine teure, gigantische Wette mit geringer Gewinnchance.

Bisher sieht die Bilanz der Abenomics schlecht aus. Seit Jahren sind die Reallöhne praktisch nicht gestiegen. Und das Bruttoinlandsprodukt legte bloß um 0,8 Prozent pro Jahr zu – halb so viel wie unter der Vorgängerregierung, die Abe abgelöst hat, weil er mehr erreichen wollte. Zwischenzeitlich rutschte die weltweit drittgrößte Volkswirtschaft sogar in eine Rezession, derzeit diagnostiziert die Regierung mal wieder eine "Erholungsphase".

Warum stagniert Japans Wirtschaft? Beheimatet das Land nicht die Weltmarken Toyota, Mitsubishi, Honda, Sony, Panasonic, Canon und Toshiba? Warum profitiert das Land kaum davon, nach China, den USA und Deutschland die stärkste Exportnation zu sein, mit Ausfuhren von über 700 Milliarden Dollar?

Der Hauptgrund: Japan ist weitgehend ausgewachsen. Einerseits ist Japan eines der reichsten Länder der Erde, mit der besten Infrastruktur und einem der höchsten Lebensstandards. Doch Japan hat eben auch die älteste Bevölkerung der Welt. Nur 13 Prozent sind unter 15 Jahre alt, aber doppelt so viele Menschen sind mindestens 65. Mit steil steigender Tendenz.

Das lauthals erklärte Ziel der Abenomics, mit Geld-, Fiskal- und Strukturpolitik das Bruttoinlandsprodukt jährlich um drei Prozent zu erhöhen, war schon deshalb unerreichbar, weil die arbeitende Bevölkerung weniger und älter wird. Für Wachstum sorgt vor allem die arbeitende Bevölkerung. Die OECD errechnete für Japan ein jährliches Wachstumspotenzial von unter einem Prozent.

Shinzo Abes Wahl zum Premier offenbarte die Sehnsucht der Menschen nach einer vergangenen Zeit – sie ist nostalgiegetrieben. Unter der Führung von Abes Liberaldemokratischer Partei (LDP) boomte Japans Wirtschaft einst über 15 Jahre mit jährlichen Raten zwischen drei und sieben Prozent.

Bis 1990 eine riesige Spekulationsblase platzte, dann war Schluss. Die Investitionsfreude kehrte in Zurückhaltung um, aus Inflation wurde Deflation, also ein fallendes Preisniveau. Die Menschen rechneten mit weiter fallenden Preisen, schränkten mit dieser Erwartung Investitionen und Konsum ein, und die Preise purzelten weiter. Die Zeit nach 1990 wird mittlerweile "die verlorenen zwei Jahrzehnte" genannt, denn seither geht es bergab, die soziale Ungleichheit hat zugenommen, Zukunftssorgen sind typisch. Abenomics verspricht, dass die neue Agenda Japan wachküsst.