Es freut uns, dass sich die als seriös bekannte Wochenzeitung DIE ZEIT in ihrem Schweizer Split mit der Landwirtschaft beschäftigt. Leider enthält der Beitrag Die Milchbüchlein-Rechnung (ZEIT Nr. 28/16) Fehler. Vor allem aber trägt er den journalistischen Makel, dass nur Kritiker zu Wort kommen, nicht aber die kritisierte Fenaco, die keine Gelegenheit zur Stellungnahme erhielt.

Der Autor will zeigen, dass die "explodierenden Kosten" in der Produktion die Ursache für die zu geringen Einkommen der Bauern sind. "Während die Bauern um ihre Existenz bangen, floriert die vorgelagerte Branche", schreibt er. "Branchenriesen" wie die Fenaco würden "ihre Marktmacht zuungunsten der Landwirte ausnutzen", weil sie ihnen immer mehr und immer teurere Produktionsmittel verkauften.

So weit die alte These des früheren Preisüberwachers und Alt-SP-Nationalrats Rudolf Strahm, die bis heute nicht bestätigt ist. Auch nicht vom aktuellen Preisüberwacher, der unlängst eine Einzelfallprüfung gegen die Futtermittelherstellerin und Fenaco-Tochter UFA (Union des Fédérations Agricoles) anstrengte. Ende Juni präsentierte er die Resultate: Der Verdacht auf Preismissbrauch sei unbegründet. Stattdessen lobte er die UFA für ihre "mehrfachen Preissenkungen". Damit hat er den Zweckartikel der Fenaco perfekt umschrieben. Denn diese ist eine Genossenschaft – und kein Konzern, der "längst als gewinnorientierte AG organisiert ist", wie es fälschlicherweise heißt. Die 1993 gegründete Fédération nationale coopérative unterstützt ihre Mitglieder, die Bauern, bei der Entwicklung ihrer Unternehmen. Mit optimaler Vermarktung ihrer Produkte, niedrigen Preisen für Vorleistungen und konstanten Ertragsquellen aus angrenzenden Märkten – etwa in der Nahrungsmittelindustrie (Ramseier), im Detailhandel (Volg, Landi) und im Energiebereich (Agrola).

Hätte der Autor einen Blick in die Statistiken des Bundes geworfen, hätte er festgestellt, dass die Vorleistungsausgaben in den vergangenen 20 Jahren teuerungsbereinigt laufend gesunken sind. Damit fällt seine These endgültig in sich zusammen.