Manchmal hilft es, einfache Fragen zu stellen. Nicht: Gehört der Islam zu Deutschland? Sondern: Wie viele Moscheen gibt es hier eigentlich? Und wie ist die Ausrichtung der Moscheen? Wo leben Schiiten, wo Sunniten und wo andere muslimische Gläubige?

Eigentlich einfache Fragen. Aber darauf Antworten zu finden ist schwer, beinahe unmöglich. Wer es dennoch versucht, kann viel lernen: über den Islam. Über Deutschland. Und über den Islam in Deutschland.

Anruf beim Bundesinnenministerium. Das Haus von Thomas de Maizière ist zuständig für die Religionsgemeinschaften in Deutschland. Für Integration und innere Sicherheit. Wenn es irgendwo Auskunft geben sollte, dann dort.

Leider ein Irrtum. Nein, Zahlen habe das Ministerium nicht, schon gar keine aktuellen, erklärt ein Sprecher. Er kann nur auf die Studie Muslimisches Leben in Deutschland verweisen, fertiggestellt 2008 in Zusammenarbeit mit der Deutschen Islam Konferenz (DIK) – einem Forum für den Dialog zwischen dem deutschen Staat und seinen Muslimen, das vor zehn Jahren gegründet wurde. Auf Nachfrage erhält man eine Liste aller Moscheen, deren Daten für die Studie erhoben wurden. Diese Liste zählt die Namen und Adressen von 1813 Moscheen auf, bisweilen auch ihre theologische Ausrichtung und die Verbände, in denen einige organisiert sind. Stichproben zeigen rasch: Viele der dort aufgeführten Moscheen tragen mittlerweile andere Namen, sind umgezogen oder existieren längst nicht mehr. Die Liste ist allenfalls eine vage Annäherung, mehr nicht.

Nächster Anlauf: Verfassungsschutz. Hat der Inlandsgeheimdienst eine Liste aller Moscheen Deutschlands? Immerhin sind die Verfassungsschützer für die Überwachung der islamistischen Szene zuständig. Doch wieder kommt die Antwort: Nein, keine Zahlen – und im Übrigen, präzisiert ein Mitarbeiter, überwache der Dienst keine Moscheen, sondern nur deren Umfeld. Das Umfeld von immerhin 90 Moscheen.

Deutschland, das Land der Präzision, der fein säuberlich geführten Listen, der leise schnurrenden Bürokratie, weiß nichts von seinen Moscheen? Es gibt keine exakte Zahl? Kann das sein?

Vielleicht hilft ein Blick in die Vereinsregister der Städte und Kommunen. Die meisten Moscheen sind als Verein organisiert und müssten als solche im örtlichen Register eingetragen sein. Das Problem: Nicht jede eingetragene Moschee trägt den Begriff "Moschee" im Namen. Unmöglich, die Moscheen aus dem Pool aller Vereinseinträge herauszufiltern.

Und die Universitäten? Auch Islamwissenschaftler, Theologen oder Kriminalwissenschaftler können keine genaue Auskunft geben. Die Erforschung des Islams in Deutschland ist zwar intensiver geworden, sie konzentriert sich allerdings auf Salafisten und Radikale. Hört man sich unter Wissenschaftlern um, dann beteuern viele, das Interesse an Studien über die Moscheenlandschaft in Deutschland sei groß, doch niemand stelle dafür Geld zur Verfügung.

Bleibt das Internet. Tatsächlich gibt es dort eine privat betriebene Website, moscheesuche.de. Auf ihr können sich Moscheen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eintragen. Müssen sie natürlich nicht. Zudem führt die Seite nur sunnitische Moscheen auf. Betrieben wird das Projekt von einem freundlichen deutschen Konvertiten. Dieser kümmert sich in seiner Freizeit um die Plattform, und er bittet um Nachsicht, dass er nicht alle Angaben überprüfen könne.