Darf man einen Politiker beleidigen, nur weil er ein Politiker ist? "Ich wollte nicht die Person oder die Frau treffen, sondern die Politikerin", sagt Jürgen J. leise. Amtsgericht am Sievekingplatz, Saal 176. Er habe die Grünen-Abgeordnete Stefanie von Berg aufrütteln wollen, ein Gegengewicht setzen zu einer Aussage, die ihn "mehr als aufgeregt" habe. Seine Worte seien vielleicht drastisch, aber die einzige Möglichkeit gewesen.

Ein kleiner Prozess vor dem Amtsgericht Hamburg stellt eine große Frage. Die Grenze zwischen politischem Streit und persönlicher Beleidigung verschiebt sich, seit in der Flüchtlingskrise der Ton härter geworden ist. Im festen Glauben daran, die angebliche Mehrheitsmeinung zu vertreten, wettert eine Reihe von Aufgebrachten gegen die Politik und vergisst dabei alle zivilisierten Umgangsformen. Bis zu welchem Punkt muss eine Gesellschaft das aushalten? Und wann müssen auch Politiker vor Anfeindungen geschützt werden – alleine schon, um noch Menschen zu finden, die diesen Job machen?