Seit einigen Tagen fahren zwei unscheinbare, weiße Lastwagen durch Berlin, halten vor dem Reichstag, fahren Unter den Linden auf und ab und parken am Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg. Auf ihrer Ladefläche: ein Hinweis darauf, wie raffiniert die AfD in den nächsten Wahlkämpfen auftreten wird.

Wo sonst Kinofilme, neue Smartphones oder Berliner Cabarets beworben werden, steht nun eine Botschaft, die nach AfD klingt, aber nicht nach AfD aussieht. Das Logo mit dem Pfeil nach rechts fehlt, ebenso der blaue Hintergrund, auch die Schreibmaschinenschrift ist nicht typisch für die Werbung der Partei. Wäre da nicht das kleine, aber manipulative Wörtchen "Alternative" am Ende des Textes, die Verwirrung wäre komplett.

Im Netz kursieren Bilder von den Lastwagen – und zwei Interpretationen. Die einen halten das Plakat für sehr schlecht gemachte Satire und amüsieren sich über die schlichte Logik. Die anderen halten die Kampagne für eine neue, perfide Spielart rechtspopulistischer Wahlwerbung. Wer hinter der Werbung steckt? Niemand weiß es.

Das Plakat stamme tatsächlich von seiner Partei, sagt Ronald Gläser, der Pressesprecher der Berliner AfD. Die Partei habe es gemeinsam mit einem konservativen Spindoktor erarbeitet.

Dass die AfD sich auf dem Plakat nicht dazu bekennt, dass sie der Absender der rassistischen Werbung ist, hat vermutlich zwei Gründe. Zum einen versucht sie auf diese Weise, ihre Inhalte an die Wähler zu bringen, ohne zu sagen, dass sie von der umstrittenen Partei stammen. Und zum anderen will die AfD schon in die Köpfe der Berliner vordringen, noch ehe der Wahlkampf um das Abgeordnetenhaus am 31. Juli rein rechtlich überhaupt beginnen darf.

Was da an Werbung in diesen Tagen durch Berlin gefahren wird, zeigt also tatsächlich, wie die AfD neue Wählerschichten erreichen will – und welche. Die Berliner AfD hat dazu Meinungsforschung betrieben und geschaut, wo noch Wählergruppe zu finden sind, die sich von der Partei ansprechen ließen.

Die Strategie: Die AfD will rein in die kleinbürgerlichen Milieus, die sich selbst nicht als rechts begreifen, die aber doch oft rechts denken. Und die AfD will ran an die Jungen, die Unzufriedenen und diejenigen, die Angst vor dem sozialen Abstieg haben.

Daher die Kiffer-Kampagne. Sie ist der Versuch der AfD, auch in Großstädten zu punkten, Berlin ist da nur der Testlauf. Eine Partei, von der man denkt, dass man sie gerade verstanden hat, erfindet sich bereits wieder neu und will weg vom Klischee der vorwiegend älteren und männlichen, konservativen und provinziellen Klientel.

Doch die AfD ist schon wieder drei Schritte weiter: Man denke gerade darüber nach, in Zukunft auch türkisch- und arabischstämmige Berliner mit deutschem Pass anzusprechen, deutet der Pressesprecher an. "Da werden sich die Altparteien noch gehörig umschauen", sagt Ronald Gläser.