Fast senkrecht rast der dunkelgrau lackierte Flieger den Wolken über Paris entgegen. Dann schlägt er eine enge Kurve ein, geht in den Sturzflug über, macht einen Looping. Ein Video zeigt die rasante Show, man kann es sich auf YouTube ansehen. Der Kameramann, der den spektakulären Flug vom Boden aus festhalten will, kann der Geschwindigkeit des Jets kaum folgen. Sein Film von der Luftfahrtmesse Paris Air Show im vergangenen Jahr zeigt immer mal wieder den leeren Himmel – statt den neuen Kampfjet der pakistanischen Luftwaffe.

Schnell, wendig, vielseitig: Die Maschine vom Typ JF-17 Thunder beeindruckt Militärexperten mit ihrer Leistungsfähigkeit. Aber mindestens ebenso interessant sind die Herkunft des Flugzeugs und die Art, wie es verkauft wird. Denn ursprünglich stammt der bis zu 2.200 Stundenkilometer schnelle Kampfjet gar nicht aus Pakistan, sondern aus China. Sein Fall zeigt, wie die Volksrepublik mithilfe massiver Waffenexporte und einer cleveren Rüstungspolitik neue Allianzen formt. Und wie die neue Supermacht weltweit militärische und ökonomische Ansprüche erhebt.

In den vergangenen fünf Jahren hat China seine Rüstungsexporte um 88 Prozent gesteigert, berichtet das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri. Damit schob sich die Volksrepublik erstmals auf den dritten Platz der weltweiten Rüstungsexporteure: hinter Russland und die Vereinigten Staaten, noch vor Frankreich und Deutschland. "China liefert seit einiger Zeit mehr Waffen ins Ausland. Da ist ein klarer Trend auszumachen", bestätigt Moritz Rudolf vom Mercator-Institut für China-Studien in Berlin. Und er verweist auf einen größeren Zusammenhang: "Die gestiegenen Rüstungsausfuhren gehen einher mit einer generell aggressiveren Außenpolitik."

Nirgends wird das zurzeit so deutlich wie auf einigen kleinen Inseln im Süd- und Ostchinesischen Meer. Diese liegen inmitten eines rohstoffreichen Seegebiets, durch das wichtige Routen der Handelsschifffahrt führen. Um die Inseln tobt seit Jahren ein Konflikt zwischen China und anderen asiatischen Staaten. Dieser wird jetzt immer schärfer.

Vergangene Woche entschied das internationale Schiedsgericht in Den Haag erstmals über die Gebietsansprüche der Regierung in Peking auf einige der Inseln im Südchinesischen Meer: China könne keine "historischen Rechte" auf die Inseln und auf das umliegende Seegebiet mit zahlreichen Öl- und Gasquellen sowie Fischgründen beanspruchen, urteilten die Richter. Die Reaktion folgte umgehend: Vertreter Chinas erklärten, sie würden den Richterspruch nicht anerkennen. Nur Tage später kündigte die Volksrepublik ein neues Militärmanöver in der Region an.

Interessen von Weltmächten prallen im Meer aufeinander. Auf der einen Seite stehen Brunei, Japan, Malaysia, die Philippinen, Taiwan und Vietnam. Sie erheben ebenfalls Anspruch auf verschiedene Inseln und setzen dabei auf die Unterstützung der Vereinigten Staaten. Dort kaufen sie Kriegsschiffe, Kampfjets und andere Rüstungsgüter ein. Vor Kurzem haben die USA sogar das jahrzehntelange Waffenembargo gegen ihren früheren Kriegsgegner Vietnam aufgehoben. Seit es in Asiens Meeren kriselt, gilt Hanoi den Amerikanern als neuer Partner – und möglicher Abnehmer ihrer Militärtechnik.

Auf der anderen Seite steht China, das seine militärischen Beziehungen zu anderen ost- und südostasiatischen Staaten ebenfalls deutlich intensiviert. Kambodscha besitzt jetzt moderne Kampfhubschrauber und Jeeps aus chinesischer Produktion, Laos bekam Helikopter sowie Transportflugzeuge. Und in Thailand, traditionell ein enger Verbündeter Chinas, traf kürzlich eine Großlieferung Raketen ein.