1776 schrieb Abigail Adams ihrem Ehemann John und bat ihn, "sich der Frauen zu erinnern", während er und die anderen Männer die Gesetze unserer jungen Nation schrieben. Er lachte über ihre "frechen" Worte, und seine Antwort gilt für einige bis heute als zutreffend: "Wir wissen es besser, als unser maskulines System abzuschaffen!"

Durch die Kultur des Westens ziehen sich tiefe frauenfeindliche Züge. Wir geben Eva die Schuld am Sündenfall, weil sie Adam verführt hat. "Du bist es, die dem Teufel Eingang verschafft hat", schrieb im 3. Jahrhundert der Theologe Tertullian über die Frau, und Thomas von Aquin nannte sie "missraten".

Wenn wir Amerikaner nach Vorbildern für eine weibliche Führungspersönlichkeit suchen, müssen wir natürlich nicht ganz bei null anfangen. Angela Merkel zeigt uns, wie eine Frau aussieht, die sich auf der Weltbühne den Respekt ihrer männlichen Kollegen erarbeitet hat. TV-Serien wie Madam Secretary und Good Wife porträtieren nachdenkliche, kluge und mächtige Frauen. Und wir verfügen durchaus über eine Reihe von Frauen, die Einfluss auf unsere Landesgeschichte genommen haben, sei es Eleanor Roosevelt, Susan B. Anthony oder eine der vier Richterinnen am Obersten Gericht.

Hillary Clinton wird die Last der Geschichte und all dieser Klischees aufgebürdet, wenn sie als erste Frau Präsidentschaftskandidat einer großen Partei wird. Seit Jahrzehnten steht sie im Rampenlicht, und in dieser Zeit hat sie ihren Stil, ihren Look und sogar ihren Namen angepasst, um so zu sein, wie es die Gesellschaft von einer Anführerin erwartet.

Jetzt rückt sie im Rennen um das Weiße Haus vor, das Scheinwerferlicht ist noch greller. Sie wird jetzt eine völlig neue Erzählung erschaffen, vielleicht einen völlig neuen Archetyp. Sie wird jungen Menschen zeigen, wie eine mächtige amerikanische Frau aussieht und wie sie handelt, wenn sie kurz davor steht, das wichtigste Amt der Welt für sich zu gewinnen.

Übersetzt aus dem Englischen von Matthias Schulz

© 2016 The New York Times