Was macht er denn nun, so ein Hilfspolizist? Ein Termin in Dresdens Polizeipräsidium. Das ist ein Altbau im Zentrum, trutzig und respekt- einflößend, mit weiten Fluren und Fahndungsbildern an den Wänden. Zwischen der Mordkommission und der Abteilung für Rauschgiftdelikte arbeitet seit wenigen Wochen Nadine Donke. Wachpolizistin Donke.

Die 23-Jährige ist nicht schüchtern, aber zurückhaltend; was sie sagt, wägt sie sorgfältig ab. Über ihre Position macht sie sich keine Illusionen: "Als Wachpolizisten sind wir erst einmal das kleinste Licht der Polizei. Aber das ist halt so. Jeder fängt mal klein an." Fragt man sie nach ihren bisher heikelsten Einsätzen, muss sie kurz überlegen, dann fällt ihr ein: Einmal, beim Streifendienst in einer Erstaufnahmeeinrichtung, sei sie in eine Auseinandersetzung geraten. Eine kleine Rangelei zwischen Asylbewerbern, die sich schnell schlichten ließ.

Das also ist der erste Eindruck von einer neuen Einheit, die polarisiert. Kritiker sehen in den 550 Wachpolizisten, die Sachsen in dreimonatigen Schnelllehrgängen – inklusive Schießtraining – ausbildet, vor allem: ein Sicherheitsrisiko. Hilfssheriffs zur Entlastung der regulären Polizei, die nur das Nötigste beigebracht bekommen und bewaffnet zu Brennpunkten geschickt werden. Für FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki ist das Ganze "eine kopflose Hauruckaktion". Und Thomas Oppermann, SPD-Fraktionschef im Bundestag, kritisierte: "Wir wollen keine Billigpolizei." Von Grünen und Linken ist Ähnliches zu hören.

In Sachsen hat der Dienstalltag der Hilfspolizisten begonnen. Man fragt sich: Geht das gut?

Sie haben früher in anderen Berufen gearbeitet, etwa als Bäcker oder Mechaniker

Nadine Donke gehört zu den ersten Wachpolizisten, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Im Februar befragte man sie schon einmal: in der Polizeihochschule, am ersten Tag ihrer Ausbildung. Die frühere Restaurantfachfrau war der Meinung, endlich ihren Traumberuf gefunden zu haben, aber auch unsicher, was auf sie zukommen würde.

Im Dresdner Revier arbeitet sie gerade im Bereich Gewahrsam, sie begleitet etwa Häftlinge von ihren Zellen zu Gerichtsterminen. Von Unfällen oder Überfällen bekommt sie einiges mit, auf den Fluren oder per Funk im Streifenwagen; aber bei solchen Einsätze sind Wachpolizisten nicht zugelassen. Ihr Job ist weit weniger spektakulär, als viele ihn sich vorstellen. Auch deshalb hat sich Donke über die Wachpolizei-Kritiker geärgert. Genau wie Martin Fabian und Max Kessinger, die mit ihr in einer Klasse saßen. Nun arbeiten die drei in derselben Abteilung. Max Kessinger erzählt, ihm seien ständig die gleichen Bedenken begegnet: Sind Hilfspolizisten geeignet für so verantwortungsvolle Aufgaben? Lässt sich das in drei Monaten überhaupt feststellen? "Kann man nach zweieinhalb Jahren die menschliche Reife denn besser überprüfen?", fragt Kessinger zurück. "Man kann sich ja auch im Unterrichtsraum in der ganzen Zeit super benehmen und trotzdem draußen im Dienst dann ein Rindvieh sein."

Kessinger, Fabian und Donke sind wie die meisten Wachpolizisten Anfang 20 und haben zuvor in anderen Berufen gearbeitet, etwa als Bäcker oder Mechaniker. Auch haben sie schon mal versucht, bei der Polizei anzuheuern, sind aber am Einstellungstest für den regulären Dienst gescheitert. Sie nutzten ihre zweite Chance. Den Test, bei dem die Sportprüfungen und das Einstellungsgespräch weniger streng sind, haben sie gemeistert. Die Abschlusstests mit Schieß- und Waffenprüfung ebenfalls. Der Praxisteil der Ausbildung sei gut zu bewältigen, die Theorie aber ziemlich eng getaktet gewesen, sagt Nadine Donke. Bei einigen Lektionen hätte sie gern mehr Zeit gehabt, etwa bei denen in Jura. "Da war der Schwerpunkt, welche Rechte wir haben, um bei Eskalationen dazwischenzugehen, aber ich hätte gern noch mehr Einblicke ins Strafrecht oder Verkehrsrecht gehabt. Das wenden wir bei unserem Dienst zwar nicht direkt an, aber es wäre interessant, darüber noch mehr zu wissen."

Wachpolizisten dürfen nur beim Objektschutz von Erstaufnahmeeinrichtungen und in der Personenbewachung eingesetzt werden. "Für die Befugnisse, die wir jetzt haben, war die Ausbildungszeit ausreichend", sagt Martin Fabian. "Unsere aktuellen Aufgaben sind uns bewusst. Die erfüllen wir." Er zeigt auf das Schulterstück seiner Uniform, dort sind keine Sterne, sondern nur die Buchstaben "Wachpolizei" aufgestickt. "Ich hätte trotzdem gern noch zwei Monate drangehängt und mehr Befugnisse gehabt", sagt Fabian. "Damit wir auch im normalen Streifendienst tätig sein könnten."