Erst David Bowie. Dann Prince. Und nun auch noch Muhammad Ali, Götz George und Bud Spencer. Tritt ein Großer ab, erbebt das Netz. Millionen Menschen, Celebritys wie Normalos, twittern Abschiedsgrüße, kondolieren auf Facebook, teilen auf Instagram Schnappschüsse, verlinken Songs und Filmclips. Google, Facebook, Twitter und YouTube vergessen dich nicht.

Aber was, wenn uns die digitale Sphäre auch irgendwie weiterleben ließe? Als virtuelle Wesen?

Sieben Jahre nach seinem Tod stand Michael Jackson 2014 wieder auf der Bühne. Bei den Billboard Music Awards sang und tanzte der King of Pop, als wäre er nie weg gewesen. Sein lebensechtes Hologramm wirkte so überzeugend, dass es den übrigen – lebenden – Stars die Show stahl. Mit einem posthum veröffentlichten Song. Auch andere tote Promis sind schon einmal zurückgekehrt: 2012 trat der 16 Jahre zuvor in Las Vegas erschossene Rapper Tupac Shakur zusammen mit seinem, noch lebenden, Freund Snoop Dogg beim Coachella-Festival auf. Und Céline Dion sang im Alter von 39 Jahren ein Duett mit jemandem, der gestorben war, als sie in die dritte Klasse ging: Elvis Presley.

So beeindruckend die Auftritte aussahen, es liefen dort nur Hologramme. Dreidimensionale Filme, ein digitaler Zirkuszauber.

Inzwischen wollen Wissenschaftler mehr: Der kanadische Informatiker Hossein Rahnama, Experte für Künstliche Intelligenz, Firmengründer und derzeit Gastprofessor am Massachusetts Institute of Technology, will digitale Klone Verstorbener erzeugen, als Chatpartner im Browser, als Stimme im Smartphone, die Siri-haft spricht wie der Verblichene. Oder eben als lebensechtes Hologramm für die virtuelle Realität. Sollte ihm das gelingen, könnte man künftig Oma und Opa für immer um sich haben. Ohne Zauberei, dafür mit Big Data und Künstlicher Intelligenz (KI).

Derzeit arbeitet Rahnama an den Algorithmen. Im Lauf des Jahres will er in einem wissenschaftlichen Aufsatz darlegen, wie sie funktionieren sollen. Ein digitales Nachleben zu ermöglichen, das haben sich auch die Firmen eterni.me, Forever Identity und Project Elysium vorgenommen. Forever Identity will seine Kunden zu Lebzeiten in tagelangen Sitzungen mit Biografen, Ghostwritern und Psychologen vermessen lassen. Anschließend werden sie dreidimensional gescannt, ihre Gesichtsmuskeln, Körperbewegungen und Stimmen erfasst – als Vorlage für ein individuelles Hologramm. Eterni.me will einfach die digitalen Datenspuren seiner Kunden zusammenführen. Zusätzlich sollen diese noch zu Lebzeiten ihre digitalen Klone durch Plauderei trainieren, gewissermaßen also mit Selbstgesprächen.

Etwas Unheimliches will Rahnama darin nicht erkennen. "Jeder möchte doch ein Vermächtnis hinterlassen", sagt er, "egal ob er ein König ist oder ein normaler Bürger." Das klingt nach der Demokratisierung des Wunsches nach Unsterblichkeit.