Aufmerksamen Beobachtern Sozialer Netzwerke dürfte seit einiger Zeit die Renaissance des Wortes "gönnen" aufgefallen sein, in Hashtags wie #gönndir oder Neuschöpfungen wie "Gönnung", und man kann den Gönn-Trend den neuen digitalen Protestantismus nennen, der den flüchtigen Ausbruch aus dem stählernen Gehäuse des Sollens, Müssens und Sparens feiert, den Sieg des Affekts über die Kontrolle, die schöne Ausnahme von der schnöden Regel, ein letztes Aufbäumen gegen die Zumutungen des Alltags, das im gleichen biedermeierlich verhärmten Sprachregister wie "sündigen" zu Hause ist, was Menschen immer dann beschämt sagen, wenn sie trotz Kalorienzählen zur Schokolade greifen, wobei man nun leider seltener hört "Ich habe mir heute einen Ferrari gegönnt", sondern es meistens um ordentliche Gelage geht, wovon die Fotos auch bald eintrudeln, auf denen rote Gesichter und gleunige Augen zu sehen sind, sodass Sie nun wissen, dass nachts da draußen vor Ihrer Haustür keine gefährlichen Rabauken herumgrölen, sondern nur ein paar arme Seelen, die es sich ausnahmsweise nur mal "hart gegönnt" haben