DIE ZEIT: Herr Böttcher, wo machen Sie in diesem Sommer Urlaub?

Frank Böttcher: Uns zieht es meist in den Süden Europas.

ZEIT: Wegen des Wetters?

Böttcher: Auf jeden Fall. Wir wünschen uns, wie viele, einen stabilen Sommer. Der Sommer in unseren Köpfen ist wie weiße Weihnachten: Wir haben ein Idealbild im Kopf und sehnen uns danach. Ich vermute übrigens, dass die erfolgreichsten Wirtschaftsregionen der Welt nicht ohne Grund dort liegen, wo man mit viel Arbeit kühle Jahreszeiten kompensiert.

ZEIT: Das könnte erklären, warum die Hamburger besonders erfolgreich sind.

Böttcher: Vielleicht! Und es erklärt vielleicht auch, warum wir gelassener sind. Uns bringt schlechtes Wetter nicht mehr aus der Ruhe.

ZEIT: Dieses Jahr sind alle Klischees erfüllt: Es ist grau und nass, vor Kurzem wurde ein Tornado gesichtet. Ist das noch normal?

Böttcher: Die Temperaturen liegen sogar etwas über den Normalwerten. Was wir gerade erleben, war früher ein total normaler Sommer. So viel zu unserem Erinnerungsgefühl. Aber wir hatten bislang relativ wenig Sonne, und das ist für viele entscheidend bei der Beurteilung des Sommers. Und wir hatten sehr viele Extremwetterlagen mit Gewitter. In Deutschland wurden dieses Jahr schon 250 Tornados gesichtet, mehr als sonst im ganzen Jahr.

ZEIT: Woran liegt das?

Böttcher: Es gibt zwei Wetterlagen, die uns starke Gewitter bringen. Die eine folgt dem klassischen sommerlichen Ablauf: Zwei Tage lang wärmt es sich auf, dann kommt von Westen ein Tiefausläufer und bringt nach Gewitter, Hagel und Starkregen dann die Abkühlung. So war es in den letzten Tagen. Das ist ganz normal.

ZEIT: Und die zweite Wetterlage?

Böttcher: Die entsteht, wenn sich ein Tief in Warmluft über Mitteleuropa festsetzt und nicht wegkann, weil es von Hochdruckgebieten umgeben ist. Dann entsteht ein sich selbst erhaltendes System: Am Tag steigt die warme Luft auf, das Tief produziert große Wolkentürme und Gewitter, die sich mit viel Regen entladen. Am nächsten Morgen verdunstet all das Wasser wieder, bildet neue Wolken – und alles geht von vorn los. Das hat zum Teil tropischen Charakter, wie im Regenwald. Dieses System hat sich vor drei Wochen für fast zehn Tage in Mitteleuropa etabliert. Spannend!

ZEIT: Spannend für Sie als Meteorologen.

Böttcher: Ja, bislang sehen wir diese Wetterlage sehr selten. Mit der globalen Erwärmung erwarten wir eine Zunahme.

ZEIT: Gibt es für dieses Jahr noch Hoffnung?

Böttcher: Auf jeden Fall! Die heißeste Phase des Sommers kommt erst noch, und genau in dieser Woche geht es los. Zur Wochenmitte erwarten wir fast überall Sonne bei 26 bis 32 Grad. Ob es so weitergeht, ist aber völlig offen.

ZEIT: Ihr Tipp für trübe Tage?

Böttcher: Da findet der Sommer besonders gut im Kopf statt. Unser Idealwetter sind 23 Grad, trocken, schön hell, nicht zu warm, nicht zu kalt. Das haben wir jetzt bei uns in den Wohnungen. Wenn man noch ein bisschen karibische Klänge auflegt, fühlt man sich wohl.