Es ist 20.45 Uhr, als Barbara Schöneberger den Nachtisch ansagt. Für seine erfolgreichsten Autohausbesitzer in Deutschland lässt BMW an diesem Abend "zart schmelzende Pralinen-Charlotte mit Schokoladensorbet" servieren. Um die Männer in Anzügen zwischen "Dreierlei vom Bachsaibling", "geschmorter Kalbsbacke" und Dessert zu unterhalten, hat der Autobauer Barbara Schöneberger gebucht. Babsi. Die Frau, die laut einer Umfrage 95 Prozent der Deutschen kennen.

Schöneberger, das ist doch die aus dem Fernsehen! Die aus der Werbung! Die mit dem eigenen Frauenmagazin! Mit Schöneberger verbinden die Menschen Attribute wie fröhlich, witzig und locker. Sie ist so bekannt, dass sie im "Human Brand Index" gelistet ist, als menschliche Marke. Was die meisten allerdings nicht wissen: dass Schöneberger zwischen Fernsehauftritten, Werbedrehs und Heftproduktion jede Woche für Unternehmen arbeitet. Dann steht sie auf Bühnen und moderiert das 50-jährige Firmenjubiläum des Steuerfachverbandes, den Festakt zu 150 Jahren TÜV Süd – oder eben eine Preisverleihung für die erfolgreichsten BMW-Verkäufer. "Ich bin ein Dienstleister", sagt sie.

Die Welt der Unternehmensveranstaltungen ist eine Parallelwelt der Unterhaltungsbranche: Nicht nur Schöneberger ist in dieser Welt unterwegs, auch Moderatoren wie Günther Jauch oder Judith Rakers und Musiker wie Sarah Connor oder The BossHoss verdienen sich was dazu. Wie ein Wanderzirkus ziehen die Promis von Unternehmensparty zu Unternehmensparty, immer dem Geld hinterher. Schöneberger erzählt, dass es eine Zeit gab, in der sie den Sänger Andreas Bourani fast wöchentlich angesagt habe.

Rote Teppiche werden auch vor Unternehmensveranstaltungen ausgerollt, doch gefüllt sind die Abende mit Banalitäten. Da hat ein Moderator schon mal das Menü vorzulesen. Warum macht das eine erfolgreiche Frau wie Barbara Schöneberger?

Berliner Westen, fünf Stunden bevor 200 Autohausbesitzer ihre Dessertlöffel ins Schokoladensorbet stecken werden. Schöneberger läuft hektisch durch ihre Küche, weil draußen schon der Shuttle-Service wartet. Am Morgen hat sie Zimmer aufgeräumt und Brot gebacken, Mutter ist sie ja auch noch, jetzt schreibt sie schnell eine Einkaufsliste für das Au-pair. "Eigentlich will ich so viel wie möglich zu Hause bleiben", sagt Schöneberger. Es ist mehr Wunsch als Vorsatz. Minuten später der Griff zum Rollkoffer, den sie immer dabeihat, wenn sie irgendwohin muss – also fast jeden Tag. Dann steigt sie in den Wagen.

Es ist typisch für Schöneberger: Eigentlich will sie mehr Zeit für sich und ihre Kinder, aber sie kriegt es nicht hin. Zehn Moderationsanfragen von Unternehmen erreichen sie im Monat, etwa die Hälfte nimmt sie an. Gerade versuche sie, von fünf auf vier Arbeitstage zu reduzieren, erzählt sie, so wirklich funktioniere das aber noch nicht. Genauso wenig wie der Vorsatz, samstags nicht zu arbeiten. Der Job geht oft vor: In ihren 42. Geburtstag feierte Schöneberger in diesem Jahr während einer Sendung rein, um null Uhr stimmten 500 Studiogäste Happy Birthday an. An ihrem 41. Geburtstag moderierte sie das deutsche Finale zum Eurovision Song Contest.

Um trotzdem so viel wie möglich zu Hause zu sein, wählt sie immer den schnellsten Weg heim. Schöneberger ist keine, die nach einer Moderation noch Drinks an der Bar kippt. Schöneberger ist eine, die ins Taxi steigt – und dem Fahrer den schnellsten Weg nach Hause diktiert. Oder, weil es nicht anders geht, im Hotel schläft und morgens um fünf Uhr den ersten Flieger zurück nach Berlin nimmt. Es klingt nach einem ziemlich spaßbefreiten Leben. Dabei gilt Schöneberger doch als fröhlich, witzig und locker.

Vor allem aber ist sie fleißig. Sie beschreibt sich als disziplinierten Menschen, nur viermal im Leben sei sie wirklich betrunken gewesen. Schöneberger kann sich nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal krank war. Bei einem der Treffen, wieder einmal auf der Rückbank eines Autos, weil es wieder einmal irgendwohin geht, sagt sie: "Menschen, die viel arbeiten, faszinieren mich."