Wenn die Europäische Zentralbank am Freitag die Ergebnisse ihres Stresstests veröffentlicht, dann richten sich alle Blicke auf die italienischen Banken – denen es bekanntermaßen mies geht – und gleich danach auf eine Bank, die im alten Jahrtausend, Ältere mögen sich erinnern, der Stolz Deutschlands war: die Deutsche Bank. Lange ist es her, dass die Männer, die in den Frankfurter Spiegeltürmen täglich mit dem Aufzug in die obersten Stockwerke fahren, ein Sinnbild der Seriosität und des Erfolgs waren, geachtet und beneidet. Nach der Finanzkrise schwenkte Bewunderung vielfach in Verachtung. Inzwischen haben die Deutschbanker schon wieder ein neues Image. Eines, das ihnen noch weniger passt: Sie gelten als bemitleidenswert.

Seit Wochen redet die Finanzwelt über das größte deutsche Institut. In Berlin sind Politiker alarmiert. Und selbst Top-Banker der europäischen Konkurrenz wechseln in eine Stimmlage voller Anteilnahme, wenn sie über das Thema sprechen. Es geht in diesen Gesprächen nicht darum, dass die Bank demnächst zusammenbricht, das glaubt keiner ernsthaft, denn natürlich hat sie seit der Krise riskante Posten in der Bilanz abgebaut und für neue Notfälle vorgesorgt. Es geht aber um die Zukunft des Hauses. Niemand versteht mehr, wohin die Deutsche Bank will, was sie sein möchte. Und vor allem: woher sie sich das Kapital besorgen will, das sie dringend braucht.

Die Lage der Bank lässt sich in einem unangenehmen Chart ausdrücken, er zeigt ihren Aktienkurs der vergangenen zehn Jahre. Im Frühling 2007, kurz bevor die Finanzkrise losbrach, kostete eine Aktie über 100 Euro. Aktuell ist sie nur noch rund 13 Euro wert. Gut, es gab zwischendurch die Krise und dann mit vielen neuen Aktien finanzierte Kapitalerhöhungen. Aber allein der Kursverfall seit Anfang dieses Jahres ist dramatisch: Zeitweise hatte sich der Aktienkurs halbiert. Eine Talfahrt erleben zwar auch die meisten anderen europäischen Banken – vom Brexit-Schock haben sie sich alle noch nicht recht erholt –, doch die Deutsche Bank trifft es besonders hart.

Die Nachrichten der vergangenen Wochen lesen sich auch nicht gerade erheiternd: Ende Juni ließ die Notenbank in den USA eine amerikanische Tochter der Deutschen Bank durch ihren Stresstest fallen. Der Internationale Währungsfonds erklärte die Bank zur gefährlichsten der Welt – allerdings nicht, weil sie so schlecht dasteht, sondern weil sie weltweit so vernetzt ist. Vor zehn Jahren wäre sie dafür noch gefeiert worden. Als wäre all das nicht genug, hat die weltweit wichtigste Rating-Agentur ihren Ausblick für das Institut auf "negativ" gesenkt.

Der legendäre Investor George Soros setzte auf einen Kurssturz der Bank. Und erst in der vergangenen Woche hat sich ein neuer Hedgefonds in Position gebracht: Highfields Capital, ein mehr als zehn Milliarden Dollar schwerer Investor aus Boston, hat rund 130 Millionen Euro auf Geschäfte gesetzt, die 0,74 Prozent aller Aktien betreffen und Gewinn bringen, sobald der Kurs der Deutschen Bank fällt. Bei all diesen schlechten Nachrichten half es dem Aktienkurs auch nicht, dass die Bank 188 Filialen in Deutschland schließt und Tausende Stellen abbaut. Allein: Damit ist nun auch das Image bei den privaten Kunden endgültig im Keller.

Die Deutsche Bank, so viel ist klar, steht mächtig unter Druck. Wer dieser Tage mit Managern aus der Bank spricht, der spürt vor allem eines: Wut. Wut auf Wissenschaftler, die Banken noch härter regulieren wollen. Wut auf Politiker, die sowieso nichts von accounting verstehen. Wut auf Journalisten, deren Berichte für noch mehr Gerede sorgen. Wut auf die Konkurrenz in Amerika, der es so viel besser geht. Und vor allem: Wut auf die Regulierer, die der Bank ständig im Nacken sitzen, jedes Vorstandsprotokoll einsehen und sich in Aufsichtsratssitzungen einladen.