Freunde, es tut mir leid, dass ich derjenige bin, der euch die schlechte Nachricht überbringt, aber ich habe euch schon vergangenen Sommer reinen Wein eingeschenkt, als ich erklärte, dass Donald Trump Präsidentschaftskandidat der Republikaner wird. Jetzt habe ich noch schlimmere, niederschmetterndere Nachrichten für euch: Donald J. Trump wird im November gewinnen. Dieser jämmerliche, ignorante und gefährliche Teilzeitclown und Vollzeitpsychopath wird unser nächster Präsident werden. Präsident Trump. Na los, sprecht es ruhig einmal laut aus, denn ihr werdet es die nächsten vier Jahre oft genug sagen müssen: "Präsident Trump".

Stellt euch der Möglichkeit, von der ihr tief im Inneren wisst, dass sie sehr, sehr real ist. Wenn ihr versucht, euch mit tröstlichen Fakten zu beruhigen ("77 Prozent der Wählerschaft sind Frauen, Nichtweiße, Jungwähler unter 35, und bei keiner dieser Gruppen kann Trump eine Mehrheit holen") oder mit Logik ("Die Menschen werden doch keine Knallcharge wählen"), dann ist das nur die Art und Weise, wie euer Gehirn euch vor einem Trauma bewahren will. Das ist so, als ob ihr einen lauten Knall auf der Straße hört und denkt: "Oh, da ist ein Reifen geplatzt!", oder: "Wer spielt denn da mit Böllern?" Dass dort möglicherweise gerade jemand erschossen wurde, mögt ihr euch lieber nicht vorstellen.

Tja, Leute, wir reden hier nicht über einen Unfall. Wenn ihr meint, Hillary Clinton wird Trump schon mit Fakten und Cleverness und Logik in die Knie zwingen, dann habt ihr ganz offensichtlich das ganze vergangene Jahr verschlafen, denn diese Methode haben bereits 16 republikanische Kandidaten in 56 Vorwahlen versucht.

Versteht mich bitte nicht falsch: Ich setze große Hoffnung in dieses Land. Die Dinge sind besser geworden. Die Linke hat die Kulturkämpfe gewonnen. Schwule und Lesben können heiraten. Eine Mehrheit der Amerikaner nimmt mittlerweile bei nahezu allen zentralen Fragen eine liberale Haltung ein. Gleiche Bezahlung für Frauen? Check. Abtreibung sollte legal sein? Check. Strengere Umweltschutzgesetze? Check. Strengere Waffengesetze? Check. Marihuana legalisieren? Check. Ein gewaltiger Umschwung hat stattgefunden – fragen Sie nur den Sozialisten, der dieses Jahr in 22 Bundesstaaten gewonnen hat. Und wenn die Menschen von ihrem Sofa aus per Xbox wählen könnten, würde Hillary erdrutschartig gewinnen, davon bin ich überzeugt.

Aber so funktioniert Amerika nicht. Die Menschen müssen das Haus verlassen und sich vor dem Wahllokal in die Schlange einreihen. Und wenn sie in einer armen, schwarzen oder hispanischen Nachbarschaft wohnen, ist ihre Schlange nicht nur länger, es werden sogar Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, damit sie gar nicht erst ihre Stimme abgeben. Meistens ist es so schon schwierig genug, auch nur 50 Prozent der Menschen an die Wahlurnen zu bringen. Und genau da liegt das Problem im November: Wer wird die am stärksten motivierten Wähler haben, die am stärksten inspirierten? Ihr kennt die Antwort. Wer ist der Kandidat mit den leidenschaftlichsten Anhängern? Wessen verrückte Fans werden am Wahltag morgens um fünf auf den Beinen sein und dafür sorgen, dass bis zum letzten Mann auch ja jeder seine Stimme abgibt? Exakt. Und das ist die große Gefahr, in der wir stecken.

Hier sind die fünf Gründe, weshalb Trump gewinnen wird:

1. Die Mathematik des Mittleren Westens

Ich glaube, Trump wird einen Großteil seiner Aufmerksamkeit auf die vier "blauen" Bundesstaaten an den Großen Seen konzentrieren – auf Michigan, Ohio, Pennsylvania und Wisconsin. Vier traditionell demokratisch orientierte Staaten, aber in jedem von ihnen wurde seit 2010 ein Republikaner zum Gouverneur gewählt (nur Pennsylvania hat jetzt endlich einen Demokraten gewählt). Bei den Vorwahlen in Michigan im März gingen mehr Menschen bei den Republikanern wählen (1,32 Millionen) als bei den Demokraten (1,19 Millionen). Trump liegt bei den jüngsten Umfragen in Pennsylvania vor Hillary und gleichauf in Ohio.