Als der Schüler mit der Drohne am Rande von Karlsruhe auf einen älteren Herrn mit Stock trifft, prallen Sichtweisen aufeinander. Der Schüler übt auf einem Feldweg mit seinem weißen Quadrocopter, kaum größer als ein Schuhkarton, einen besonderen Flugmodus. Vorsichtig steuert er sein Gerät, bei einem Absturz wären mehr als 1.000 Euro dahin. Der alte Mann hat für all das wenig Verständnis. Er rennt auf den Schüler zu, fuchtelt mit seinem Stock und schimpft: "Hol das Ding da sofort runter!"

Noch Wochen nach diesem Erlebnis ist dem Schüler die Empörung anzuhören. "Das darf der Mann doch nicht, oder?", fragt er. "Das darf ich doch, oder?" Normalerweise setzt sich Robert, der 17-jährige Hobbypilot, an den Rechner und googelt, was er als Drohnenpilot darf. Aber an diesem Thema ist er gescheitert: "Im Netz widersprechen sich alle." Deshalb hat sich der junge Mann mit den langen blonden Haaren von seinen Eltern heute von Karlsruhe nach Abtsteinach bei Mannheim fahren lassen, zur "Grundlagenschulung Multikopter".

Der Markt der Multikopter – der Flugobjekte mit vier oder mehr Rotoren – wächst zurzeit rasant. Experten schätzen, dass es in Deutschland bereits drei Millionen zivile Drohnen gibt, kleine Spielzeugdrohnen mit eingerechnet. Berücksichtigt man nur größere Geräte mit Extrafunktionen wie einer Kamera, sind es nach Schätzungen knapp 500.000, und jeden Monat kommen rund 10.000 dazu. Genaue Zahlen kennt niemand, denn es gibt in Deutschland keine Registrierungspflicht – und ziemlich unklare Regelungen, wie Robert im Laufe dieses Tages erfahren wird.

Die Zahlen nähren Sorgen. Die Luft werde bald von einem durchgehenden Surren erfüllt sein, heißt es. Meldungen von Zusammenstößen mit Flugzeugen oder gefährdeten Skifahrern machen die Runde. Auch die Pläne von Amazon und DHL, Pakete mit Drohnen auszuliefern, lösen bei Menschen Besorgnisse aus: Früher oder später werden uns die Dinger auf den Kopf fallen, fürchten sie.

Kursleiter Daniel Schmitt von Rotorkonzept, auf den Schüler Robert an diesem Tag trifft, gibt Entwarnung. Man müsse die Drohnenpiloten vernünftig schulen, sagt er. Dann sei die Fliegerei eine recht sichere Sache. Doch noch sind solche Schulungen für private Nutzer, die mit ihren Drohnen keine Dienstleistungen erbringen, nicht verpflichtend.

Robert ist trotzdem gekommen. Er will wissen, was erlaubt ist und was nicht. Aber bevor er seine Frage beantwortet bekommt, muss er sich erst einmal durch Fachbegriffe, Luftfahrtkarten und Gesetzestexte wühlen. Der Kurs, das wird in den ersten Minuten klar, ist keiner, in dem junge Männer mit ihren neuesten Fluggeräten prahlen. Das Luftverkehrsgesetz, die Regeln der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation, das Bundesdatenschutzgesetz und nicht zuletzt einen Flugwetterbericht – all das müssen Daniel Schmitts Schüler zurate ziehen, um zu klären, ob Robert seine Drohne auf dem Feldweg in die Luft steigen lassen durfte. Den Kursteilnehmern fliegen die Fachbegriffe nur so um die Ohren.

Im Bürokratendeutsch heißt Roberts Fluggerät "unbemanntes Luftfahrtsystem" oder "Modellflugzeug". Das hängt davon ab, was der junge Mann mit seiner Drohne vorhat. "Fliegen, schöne Bilder machen", sagt der Schüler schulterzuckend. Doch wann wird aus Robert ein kommerzieller Pilot: Wenn er die Bilder veröffentlicht? Wenn er mit ihnen Geld verdient? Über solche Fragen streiten sich derzeit die Rechtsexperten.

Eine Regel jedoch gilt immer: "Erst mal ruhig bleiben", rät Kursleiter Schmitt. "Sag dem Mann: Moment mal, ich habe hier ein Fluggerät zu beaufsichtigen. Lande erst mal. Dann kannst du in Ruhe reden." Denn wer eine Drohne fliegt, darf sie nicht aus den Augen lassen. Auch nicht, um sie über das Smartphone oder einen Tablet-Computer zu bedienen, was viele tun. Ansonsten: Reden und Verständnis zeigen – das ist neben dem rechtlichen Rahmen eine von Schmitts wichtigsten Botschaften. "Viele Menschen haben ein Gefühl von Ausgeliefertsein, wenn eine Drohne über ihnen schwebt", wirbt der 29-jährige Drohnenexperte um Verständnis für den alten Mann.

Robert fliegt Drohnen, seit er 14 ist, mit seinem Hobby erlebt er diesen kulturellen Clash immer wieder. Kürzlich hat ihn eine Frau gefragt, was er da fliege. "Das ist ein Multikopter." – "Ah, zum Glück keine Drohne!" Er verdreht die Augen. Was haben die Alten nur gegen mein Hobby? Mit den modernen unbemannten Fluggeräten könne man die besten Luftbilder machen, Spiegelungen auf dem Wasser einfangen oder Landschaften aus ungewohnter Perspektive bannen. Robert schaut betrübt wie ein Kind, dessen Eltern die Wasserfarben einkassieren, weil das Designersofa in Gefahr ist.