Erst ist nur eine Staubwolke zu sehen. Als der Wind sie vertreibt, ein alter, schlammverkrusteter Jeep, der in sportlicher Kurvenlage den Hang heruntergerumpelt kommt. Der Jeep hält mit leichtem Schlingern, aus der Fahrertür springt Christian Althaus. Ein Mann wie aus der Camel-Werbung: hochgekrempelte Hemdsärmel, Cargohose, schwere Caterpillar-Boots. Mit seinem Lockenkopf und faltenfreien Lächeln wirkt er bedeutend jünger als 41. Kurzer, herzlicher Handschlag. Schön, dass sich mal einer seine Arbeit angucken komme hier draußen, sagt Althaus. Hier draußen, das ist nicht die Namib-Wüste, sondern Herzogswalde in der Sächsischen Schweiz, 15 Autominuten von Dresden entfernt. Ein Dorf wie aus dem Modelleisenbahn-Katalog mit Hexenhäuschen, frisch gestrichenen Gartenzäunen und Rosenbüschen. Die beginnen zu vibrieren, wenn sich wieder ein Schwerlaster vom Golfplatz durch die engen Gassen quetscht.

Der Golfplatz Herzogswalde ist das neue Projekt von Christian Althaus, dem "jungen Wilden" der Golfplatzdesigner. Zum vorhandenen Neun-Loch-Platz von 1995 soll er einen weiteren mit neun Löchern bauen, die Driving Range modernisieren und dann den alten Platz an den neuen anpassen.

"Versteht man am besten, wenn man’s sieht", sagt er und springt gleich wieder in den Jeep. Althaus spricht, wie er fährt, gern im oberen Drehzahlbereich. Gleich hinter dem Parkplatz und den Containern, in denen Umkleide und Snackbar untergebracht sind, taucht das halb fertige neue Clubhaus auf, das ein Leipziger Architektenteam in Arbeit hat. Ein ultramodernes Stahlkonstrukt wie ineinandergeschobene Tortenstücke mit begrüntem Dach. Stilistisch mehr Opernhaus Sydney als sächsisches Vereinsheim.

Von hier aus dann der erste Blick über die Mondlandschaft des neuen Golfplatzes: nackte Erdhügel, so weit das Auge reicht, hier und da ein paar Grasbüschel und Sandkuhlen, die späteren Bunker. Althaus hat sie extra für den Besuch mit rotem Klebeband markiert. Halt alles noch sehr Ton in Ton hier: die aufgerissene Erde, die wie zufällig verstreuten Findlinge, selbst die Wasserlöcher, die einmal Hindernisse und Speicherteiche sein werden. Und überall offene Gräben für die Rohre des Beregnungssystems.

"Die meisten Golfplätze entstehen in ausgeräumten Landschaften, auf ehemaligen Spargel- oder Maisfeldern. Da muss man als Designer aus platter Langeweile Drama schaffen. Und das so nah wie möglich an der Natur. Darum laufe ich das Gelände anfangs immer und immer wieder ab, um ein Gefühl dafür zu kriegen, was hier möglich ist. Dabei suche ich nach einem Stück toller Topografie, einer Einmaligkeit, an die sich Spieler noch Jahre später erinnern", sagt Althaus und hält neben einer wuchtigen Eiche, dem einzigen Baum weit und breit. Die sei locker 200 Jahre alt, erklärt er beim Aussteigen, das Schmuckstück der Anlage. Mehr Bäume brauche es nicht. Bis auf die Handvoll schwarzer Baumskelette im Hintergrund, die helfen sollen, die nächste Bahn zu modellieren.

Modellieren ist ein Lieblingsbegriff von Christian Althaus. Und Magerboden – der sei wichtig für die Wahl der Gräser, die wiederum den typischen Althaus-Look ausmachen: "Da nehme ich lieber den kenianischen Ausdauerläufer als den aufgepumpten Anabolikasportler. Der braucht nicht viel Wasser und keinen Dünger, passt sich problemlos in jede Landschaft ein und macht sie lebendig und vielfältig." 1500 verschiedene Gräser stehen dem Landschaftsarchitekten zur Verfügung. Sein Sortiment für Herzogswalde liest sich wie das Rezept für einen Biosalat: Rotes Straußgras, Horstrotschwingel, Deutsches Weidelgras, Wiesenrispe, Gemeiner Schafschwingel und Kräutermischungen – für die Wildbienen.

Das Pflanzen passiere dann in einem neuen Nassverfahren, mit dem sich das Gras großartig modellieren lasse – im Prinzip wie Haargel. "Aber das soll hier alles ein bisschen raw aussehen ... die Abschläge franselig und kantig ... bloß kein Wimbledon-Rasen", so klingt das bei ihm. Er malt Bilder in die Luft, begeistert, mit rudernden Armen und ohne Atempause.