1. Mehr Geld

Wer einen Zeitschriftenartikel beurteilt oder einen Antrag bewertet, leistet einen Dienst an der Wissenschaft. Geld bekommt er keines dafür. In jüngster Zeit jedoch wird der Ruf lauter, das Peer-Review zu vergüten. Das soll den Anreiz für Gutachter erhöhen und gleichzeitig die Zahl der angeforderten Gutachten reduzieren.

In Deutschland hält man davon bislang wenig: "Das Peer-Review ist Ausdruck des zweckfreien wissenschaftlichen Diskurses. Den wollen wir erhalten", sagt die Generalsekretärin der Deutschen Forschungsgemeinschaft Dorothee Dzwonnek. Im Ausland sieht man das anders. Der Wellcome Trust, einer der größten privaten Wissenschaftsförderer weltweit, hat fest bezahlte Gutachter. Als Mitglied eines "Peer Review College" bekommt ein Forscher im Jahr 1.000 Pfund und schreibt dafür zwischen einem und sechs Gutachten.

Auch die EU und die deutsche VolkswagenStiftung arbeiten zunehmend mit Gutachtergruppen, deren Mitglieder eine Aufwandsentschädigung erhalten. Dass der monetäre Stimulus wirkt, selbst wenn er klein ist, haben Studien gezeigt: Bezahlte Gutachten werden im Schnitt zügiger und zuverlässiger angefertigt als unbezahlte.

Fachzeitschriften aus großen Verlagen belohnen ihre Gutachter seit einiger Zeit mit freien Zeitschriftenabonnements oder Buchgutscheinen. Geldzahlungen lehnen sie bisher ab. "Wir appellieren weiterhin an die intrinsische Motivation der Wissenschaftler", sagt Philippe Terheggen, Leiter der Fachzeitschriftensparte bei Elsevier, dem weltweit größten wissenschaftlichen Fachverlag. Bei einer Disziplin macht der Verlag allerdings eine Ausnahme: Wirtschaftswissenschaftler bekommen 100 Euro pro Gutachten.

2. Mehr Ruhm

Die eigentliche Währung der Wissenschaft ist aber nicht Geld, sondern Reputation. Auch hier hat das Peer-Review bislang wenig zu bieten – schließlich erfolgt es meist anonym: Egal, wie viel Mühe man sich gibt, ein Manuskript mit Verbesserungsvorschlägen zu versehen, niemand merkt es. Das wurmt viele Wissenschaftler. Elsevier hat deshalb 2014 eine "Reviewer Recognition Platform" eingerichtet, auf der Wissenschaftler ihr Profil als Gutachter ausstellen können. Herausragende Gutachter werden besonders geehrt. Sie dürfen auch die eigene Homepage mit einer "Outstanding Reviewer"-Plakette schmücken.

Eine verlagsübergreifende Lösung hat das Start-up Publons ersonnen. Für jedes Gutachten, so die Idee, erhalten Forscher Punkte, die auf der Internetseite gesammelt werden. Bisher hat Publons 40.000 registrierte Nutzer. Ihren aktuellen Kontoauszug können die Rezensenten Bewerbungen oder Forschungsanträgen beilegen.

Auch für Verhandlungen mit der eigenen Universität könnte dieser Arbeitsbeleg interessant werden. Einige Hochschulen wie etwa die Universität Bremen erlassen Wissenschaftlern, die besonders aufwendige Gutachten verfassen, einen (kleinen) Teil ihrer Lehrverpflichtungen.

3. Mehr Gutachter

Die neue Wissenschaftlerbefragung des DZHW zeigt: Nur zehn Prozent der Forscher schreiben fast die Hälfte aller Gutachten, einige über hundert pro Jahr. Meist sind es erfahrene Wissenschaftler mit besonders gutem Ruf, die auch sonst viel beschäftigt sind. Die Folge: Sie kommen kaum noch zu ihrer eigenen Forschungsarbeit. Besser wäre es, die Arbeit auf mehr Gutachter zu verteilen und junge Wissenschaftler früher an die Aufgabe heranzuführen.