Einst wollte die Hamburger CDU eine liberale Großstadtpartei sein. Dann verlor der liberale Dietrich Wersich die Wahl vor eineinhalb Jahren mit 15,9 Prozent. Seither hat man bisweilen den Eindruck, die Partei ziehe es zurück in die sechziger Jahre. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht mit Feuereifer zum Kampf gegen den angeblichen "rot-grünen Fahrradfetisch" getrommelt wird. Wen will die Partei damit nur gewinnen? Die ritualisierten Angriffe auf die (in Hamburg eher braven) Grünen als Verbots- und Kifferpartei plus die Rufe nach mehr Ordnung lassen die CDU auch nicht frischer wirken.

Will die Partei je wieder die Macht erringen, braucht sie mehr als ihre Stammwähler. Daher ist es interessant, dass die CDU jetzt einmal der Nörgelfalle entkommt und ein Zukunftsthema entdeckt: Hamburg familienfreundlich zu machen.

Das ist eine Marktlücke im politischen Betrieb der Stadt. Einer Stadt, in der Behördengänge mit Kindern tatsächlich oft eine Zumutung sind. In der tatsächlich manche Spielplätze verrotten. In der tatsächlich ein Schwimmbad- oder Zoobesuch richtig viel Geld kostet. Um viele Minderheiten wird sich in Hamburg politisch schon gut gekümmert, um die Minderheit der Familien will sich jetzt die CDU bemühen. Gute Idee! Jetzt müsste ihr nur noch jemand verraten, dass zu einer familienfreundlichen Stadt auch Radwege gehören.