Bei alldem, was Hamburg plant und baut, ist ein Ziel weitgehend unstrittig: Mehr Sozialwohnungen werden dringend gebraucht, denn die seit Jahren steigenden Mieten treffen Geringverdiener besonders hart. Dummerweise liegt es in der Natur des Geringverdieners, dass bei ihm nicht viel zu holen ist, weshalb im Allgemeinen zwar viel für den Bau von Sozialwohnungen spricht, im Einzelfall aus Sicht des Investors aber auch immer einiges dagegen.

Der alte Bunker am Winterhuder Kuhnsweg ist wieder so ein Einzelfall. Eine teure, sehr gesuchte Gegend, günstige Wohnungen sind hier besonders selten – wieso also richtet Hamburg in dem Bunker nicht Sozialwohnungen ein?

Erste Antwort: Dazu müsste das Land ihn erst mal besitzen. Der Bunker gehört aber dem Bund, und der pflegt seine Liegenschaften, wenn überhaupt, meistbietend zu verkaufen, was in der Praxis heißt: an private Investoren. Seit vergangenem Oktober allerdings haben Kommunen eine sogenannte Erstzugriffsoption auf Bundesimmobilien, die nicht unmittelbar aus der militärischen Nutzung kommen – vorausgesetzt, sie legen sich auf den Bau von Sozialwohnungen fest. Eine Regelung, wie geschaffen für den alten Winterhuder Bunker! Der zuständige Regionalausschuss hat sich auch bereits für diese Nutzung ausgesprochen – was also steht dem sozialen Wohnungsbau im Weg?

Hier ist die Antwort der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Bonn: "Ein möglicher Erwerb des Bunkers für Zwecke des sozialen Wohnungsbaus durch die Freie und Hansestadt Hamburg (FHH) muss erst noch zwischen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und der FHH abgestimmt werden."

Und weiter: "Es bleibt abzuwarten, ob sich der Bunker im Hinblick auf die voraussichtlich hohen Umbau- bzw. Abrisskosten für die Errichtung von sozialem Wohnraum eignet."

Und wenn nicht? Kosten sind ein Problem im sozialen Wohnungsbau, ständig wiederholt die Immobilienwirtschaft ihre Forderung, ökologische Standards zu senken.

Hier aber geht es nicht um Umweltschutz, sondern um die Nutzung oder teure Beseitigung eines Kolosses aus Stahlbeton. Wenn sich das nur für den Bau von Luxusappartements lohnt, ist die Idee mit den Sozialwohnungen womöglich unrealistisch. Aber das ist noch nicht entschieden.