DIE ZEIT: Frau Klatten, wann haben Sie zum ersten Mal im Leben gespendet?

Susanne Klatten: Daran erinnere ich mich nicht mehr. Aber ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal selbst Spenden gesammelt habe, in der zehnten Klasse. Wir wurden losgeschickt, um Geld für die Deutsche Kriegsgräberfürsorge zu sammeln. Da stand ich mit einer Büchse in der Fußgängerzone von Bad Homburg.

ZEIT: Waren Sie gut?

Klatten: Nicht besonders. Ich habe gemerkt, wie schwierig es ist, Leute anzusprechen und zum Spenden zu bewegen.

ZEIT: Als Ihr Vater starb und Ihnen und Ihren Geschwistern sein Vermögen vermachte, waren Sie sehr jung. Hat er Ihnen nahegelegt, einen Teil des Erbes zu spenden?

Klatten: Nein, er hat das uns überlassen. Aber es gibt natürlich viele Menschen, die mir Briefe schreiben und um Geld bitten – für soziale Projekte, aber auch, weil sie sich in einer prekären Situation befinden.

ZEIT: Wie oft bekommen Sie solche Briefe?

Klatten: Eigentlich ständig. Wir bewahren die Briefe mehrere Jahre auf. Wir geben uns Mühe, sie persönlich und respektvoll zu beantworten.

ZEIT: Wann fing das an?

Klatten: Als ich Mitte zwanzig war und das Unternehmenserbe angetreten habe. Da war mein Name plötzlich in der Öffentlichkeit.

ZEIT: Woran halten Sie sich beim Spenden?

Klatten: Ich will nicht die Einzige sein, auf die sich jemand verlässt. Ich lege lieber auf jeden Euro, den jemand selbst einsammelt, noch einen drauf. Das Wichtigste ist, dass jemand nicht immer wieder von Neuem kommt und nach Geld fragt.

ZEIT: Warum nicht?

Klatten: Ich finde es besser, wenn die Geförderten eine Eigenständigkeit erreichen.

ZEIT: Wann fühlt sich Spenden schlecht an?

Klatten: Wenn Menschen devot sind, damit kann ich nicht umgehen. Und wenn das, was einem die andere Seite verspricht, nicht erfüllt wird.