New Yorker Bürgersteige sind aus Beton gegossen und gesprenkelt mit dunklen Punkten, die einmal Kaugummis waren. Die Bürgersteige tauchen nun eher nebensächlich in der Serie Block auf, die der finnische Fotograf Aapo Huhta, Jahrgang 1985, als Neuankömmling in der Metropole in den Jahren 2014 und 2015 schuf. Auf vielen, nicht auf allen Bildern herrscht eine düstere Stimmung, die eine gewisse Einsamkeit des Beobachters spürbar werden lässt. Gleichzeitig sind die Bildausschnitte und Motive so originell, dass man sich um die Psyche des Fotografen keine Sorgen machen muss. Die Perspektive auf dem Pigmentdruck 5 ist auch die eines Menschen, der unbeachtet bleiben will – sonst würde sich das Hündchen vielleicht mit hechelnder Zunge auf ihn stürzen und an seinen Beinen hochspringen. Aber nein, das Tier läuft weiter, zieht an der Leine, ist gleich wieder verschwunden, zusammen mit seinem Hundehalter oder seiner Hundehalterin. Wie alle New Yorker hat es ein Ziel und wenig Zeit. Vielleicht ist auch der Boden heiß, und längeres Stehenbleiben würde an den Pfoten wehtun.

Der dunkle Schatten, der fast die Hälfte der Bildfläche überdeckt, verstärkt den Eindruck des Beiläufigen, Flüchtigen. Dieses Jahr wurde die Publikation Block (Kehrer Verlag) mit dem Deutschen Fotobuchpreis in Silber ausgezeichnet. Bis zum 3. September sind nun Arbeiten von Aapo Huhta in der Galerie Kehrer auf der Potsdamer Straße in Berlin zusammen mit Fotografien von Ida Pimenoff ausgestellt. Huhtas Bild 5 (Auflage von fünf plus zwei Artist’s Proofs, also Belegexemplaren für den Künstler) von 2014 kostet 870 Euro, zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer. Eine Fotografie, so flüchtig wie ein Traum.

Lisa Zeitz ist Chefredakteurin von "Weltkunst" und "Kunst und Auktionen"