Was wurde aus den Interhotels?

Der etwas andere Herbergsführer – in Form eines Quartettspiels

Um die früheren Interhotels wird gerungen wie um wenige andere Gebäude aus der DDR-Zeit. Die Stadt Potsdam etwa will das Mercure (wie es heute heißt) eigentlich abreißen. Doch binnen weniger Wochen haben zehn Prozent der Stadtbewohner für den Erhalt des Hauses unterschrieben. Die Stadt Leipzig hofft seit Jahren, dass sich für das leer stehende Hotel Astoria ein Finanzier findet – tatsächlich hat kürzlich eine isrealische Investorengruppe das Haus erworben. Die meisten der anderen ehemaligen Interhotels sind bei Anlegern beliebt, erst im Mai wechselte eine Reihe von ihnen den Besitzer. Was die Herbergen bis heute besonders macht und was sie voneinander unterscheidet, verrät dieses Quartett – zum Ausschneiden und Selberspielen. Recherche: Julius Lukas

Spiel für zwei. Es sticht die höhere Zahl, nur bei "Eröffnung" gewinnt der frühere Termin. Es gilt die Eröffnung als Interhotel. Da das Neptun streng genommen kein Interhotel war, kann der Spieler diese Karte einmalig gegen eine zufällig gezogene des Gegenspielers tauschen. Die Zimmerpreise für eine Person wurden für einen Wochenendtag im August ermittelt. Es handelt sich hier nur um eine Auswahl aller ehemaligen Interhotels.

GRAND HOTEL BERLIN, BLN

  • Heute: The Westin Grand Hotel Berlin
  • Eröffnung: 1987
  • Sterne (heute): *****
  • Zimmer damals/heute: 359/400
  • Berühmte Gäste: M. Gorbatschow, Rolling Stones
  • Zimmerpreis heute: 150 €
  • Besonderheit: Vor 1989 trug das Haus den Spitznamen "Grandhotel Honecker". Denn der Staatsratschef hatte es feierlich eröffnet. Umgerechnet 200 Millionen D-Mark soll der Bau gekostet haben. Gästen war es nicht gestattet, die Zimmer mit DDR-Mark zu bezahlen. Auch den Bau einer Orgel hatte Honecker verfügt – es ist bis heute die einzige Hotelorgel Europas.

HOTEL MERKUR LEIPZIG, SN

  • Heute: The Westin Leipzig
  • Eröffnung: 1981
  • Sterne (heute): ****
  • Zimmer damals/heute: 447/436
  • Berühmte Gäste: Jürgen Klinsmann, Dalai Lama
  • Zimmerpreis heute: 107 €
  • Besonderheit: 1978 beauftragte das DDR-Außenhandelsministerium eine japanische Firma mit dem Bau des Hotels. Der Beton dafür wurde aus West-Berlin angeliefert. Das Haus erhielt einen Zen-Garten, japanisches Interieur und ein japanisches Restaurant (eines von zweien in der gesamten DDR). Von den 740 Mitarbeitern waren mehr als 100 im Intershop tätig.

ASTORIA LEIPZIG, SN

  • Heute: geschlossen
  • Eröffnung: 1915; 1965 als Interhotel
  • Sterne (heute): /
  • Zimmer damals/heute: 320/–
  • Berühmte Gäste: Louis Armstrong, Walter Ulbricht
  • Zimmerpreis heute: /
  • Besonderheit: Bei seiner Ersteröffnung 1915 galt das Astoria als luxuriösester Hotelneubau Deutschlands. Jedes Zimmer war individuell gestaltet. Später, in der DDR, arbeiteten hier bis zu 70 Köche. Seit 1997 steht das denkmalgeschützte Haus leer. Es wurde kürzlich von einer israelischen Investorengruppe gekauft, sie ist spezialisiert auf schwer zu sanierende Objekte.

HOTEL ELEPHANT WEIMAR, TH

  • Heute: Hotel Elephant, a Luxury Collection Hotel
  • Eröffnung: 1669 als Wirtshaus, 1966 als Interhotel
  • Sterne (heute): ****
  • Zimmer damals/heute: 99/99
  • Berühmte Gäste: Thomas Mann, Wladimir Putin
  • Zimmerpreis heute: 115 €
  • Besonderheit: Johann Wolfgang von Goethe feierte hier seinen 80. 1926 trug sich Adolf Hitler als "Schriftsteller" ins Gästebuch ein. 1937 ließ er – nun Diktator – das Gebäude abreißen und neu bauen. 1951 wurde es zum Internat für angehende Russischlehrer, später beschloss Johannes R. Becher, Schriftsteller und DDR-Kulturminister, die Wiedereröffnung als Hotel.

HOTEL BELLEVUE DRESDEN, SN

  • Heute: The Westin Bellevue Dresden
  • Eröffnung: 1985
  • Sterne (heute): ****
  • Zimmer damals/heute: 330/340
  • Berühmte Gäste: Angela Merkel, Robbie Williams
  • Zimmerpreis heute: 125 €
  • Besonderheit: Das Barockgebäude ist eines der wenigen in Dresden, die die Bombardierung 1945 unbeschadet überstanden. 1950 und 1980 sollte es abgerissen werden, was Bürgerproteste aber verhinderten. Die Wartezeit auf einen Tisch im polynesischen Restaurant des Hauses betrug sechs Monate. Ende 1989 trafen sich hier Hans Modrow und Helmut Kohl.