Ich gehöre zu den 80.000 bayerischen Müttern, die das sogenannte Landesbetreuungsgeld beziehen. Die hohe Akzeptanz bewog Horst Seehofer, die Herdprämie beizubehalten, nachdem das Bundesverfassungsgericht sie im vergangenen Sommer gekippt hatte. Die CSU hat das für mich getan. Sie wollte mich "nicht zu einem bestimmten Lebensmodell drängen". Über diesen Scherz würde ich laut lachen, wäre ich nicht so müde. Ich bin nämlich keine glückliche Hausfrau und Mutter am Herd, wie Seehofer sich das vielleicht vorstellt. Ich suche seit Monaten vergeblich einen Krippenplatz für meine Tochter und verwende das Betreuungsgeld darauf, eine Nanny zu bezahlen. So lautet meine Wahrheit hinter dem Landesbetreuungsgeld. Und das ist symptomatisch für die bayerische Familienpolitik, die alles für den Schein tut und wenig für Mütter, Väter und Kinder.

Ich habe alles richtig gemacht. Ich habe mich auf der Website der Stadt für die verschiedenen Kitas angemeldet. In der Kita-Sprechstunde habe ich mich angebiedert und versichert, wie süß die Sternchenbettwäsche sei. Bei der Tagesmutterbörse habe ich gesucht, doch außer einer Frau mit drei Hunden war nichts im Angebot. Ich saß in einem Kreis aus Schrumpfstühlen einer Elterninitiative und beteuerte, gern neben meinem Beruf regelmäßig mit anderen Müttern auf die Gruppe der Kinder aufzupassen.

Ohne Erfolg. Eltern haben seit drei Jahren einen Anspruch auf einen Kita-Platz für ihr Kind. Nach den vergangenen Monaten habe ich den Eindruck, dass man viel Energie darauf verwendet, diesen Anspruch nicht zu erfüllen.

Wenig spricht für mich: Ich bin nicht alleinerziehend, weder meine Tochter noch ich haben einen Migrationshintergrund oder soziale Probleme. Ich werde nicht bevorzugt behandelt wie die Mitarbeiter der Stadt. Dass ich arbeiten will und muss, scheint keine ausreichende Begründung zu sein.

Ich stelle einen Dringlichkeitsantrag bei der Elternberatung der Stadt; ein Service, der die Telekom wie einen Ausbund an Kundenorientierung aussehen lässt. Mir wird geraten, selbst mal ein paar Zettel aufzuhängen, abzuwarten. Klar, irgendwann kann meine Tochter sich auch selbst betreuen.

Eine Woche später meldet sich eine Beraterin. Es gebe da eine Kita, die dreißig Minuten entfernt sei. Viermal täglich müsste ich die Strecke zurücklegen: zwei Stunden am Tag, zehn Stunden in der Woche, 40 Stunden im Monat. Ein Drittel meiner Arbeitszeit. Ich ziehe übrigens noch ein zweites Kind groß.

Ich sage: Das ist nicht machbar.

Die Beraterin: Eine halbe Stunde Fahrzeit müssen Sie hinnehmen, wenn Sie so dringend arbeiten müssen.

Sie hat noch zwei andere Kitas im Angebot: eine für 800 Euro im Monat und eine für 1.000 Euro. Letztere ist aber bilingual und bietet Kinderyoga an.

Ich: Das ist absurd.

Die Beraterin: Sie können beim Sozialbürgerhaus Jugendhilfe beantragen.