Philipps Traum von Olympia begann vor dem Fernseher. Vor vier Jahren saß er mit seiner Mutter auf dem Sofa und schaute sich das Fechtturnier bei den Olympischen Spielen in London an. "Das sah total cool aus, wie die Fechter sich bewegten und mit ihren Säbeln gegeneinander kämpften", sagt Philipp, der heute zwölf Jahre alt ist.

Säbelfechten gilt als eine der schnellsten Sportarten der Welt, kaum eine Runde dauert länger als 15 Sekunden. Die Kämpfer müssen versuchen, ihren Gegner am Oberkörper oder an der Gesichtsmaske zu treffen, ohne dabei selbst getroffen zu werden. "Das will ich auch machen", dachte Philipp damals. Nur wenig später fing er bei seinem Fechtverein in Dormagen an. Heute ist er Erster der Säbel-Rangliste für die Region Nordrhein in seiner Altersklasse.

Für diesen Erfolg hat Philipp viel geübt, dreimal pro Woche ging er bisher zum Training, nach den Sommerferien wird es sogar viermal sein. Und auch jetzt, in den Ferien, macht er keine Pause. Während im nahe gelegenen Schwimmbad Kinder kreischend und platschend ins Wasser springen, steht Philipp in der Halle seines Vereins und übt die Grundhaltung: Seine Knie sind leicht gebeugt, der vordere Fuß zeigt nach vorne, der hintere zur Seite. Er streckt den Arm aus, als hätte er seinen Säbel in der Hand, seine hellblauen Augen schauen geradeaus. Mit anderen Kindern aus seiner Trainingsgruppe macht er Abstandsübungen: Zwei Fechter stehen sich gegenüber, der eine bewegt sich auf den anderen zu, der andere muss darauf reagieren und zurückweichen. "Der Abstand ist wichtig, damit man nicht vom Säbel getroffen wird", sagt Philipp.

Wenn das im Wettkampf doch mal passiert, schützt ihn sein Anzug vor Verletzungen. Manchmal hat er trotzdem kleine blaue Flecken. "Die kommen von den Stichen, die piksen auch ein bisschen. Ungefähr so, als würde der Arzt einem Blut abnehmen", sagt Philipp. Was ihm am Fechten besonders gefällt, ist, dass nicht nur der Körper, sondern auch der Kopf gefordert ist: Er muss taktisch denken, um seinen Gegner zu überlisten.

Oft hat Philipp nach dem Training Muskelkater, trotzdem macht ihm das viele Üben nichts aus. "Es macht ja Spaß", sagt er. Auch weil es sich auszahlt. Die Pokale, die er schon gewonnen hat, füllen bald ein ganzes Regalbrett in seinem Zimmer. Irgendwann soll dort auch mal eine Olympia-Medaille hängen.

In diesem Jahr wird sich Philipp damit begnügen müssen, wieder nur vor dem Fernseher zu sitzen. Immerhin kennt er diesmal zwei Säbelfechter persönlich, die in Rio antreten werden: Max Hartung und Matyas Szabo trainieren im selben Verein wie Philipp. Bei den Spielen im Jahr 2024 wäre er alt genug, um selbst teilzunehmen.