Privatdozenten werden von den Universitäten nicht bezahlt. Dagegen klagt jetzt ein Philosophieprofessor aus Regensburg.

Von Würde und Ehre ist in der Arbeitswelt selten die Rede. Ausgerechnet damit begründet die Bayerische Staatskanzlei aber, warum es recht und billig sei, dass Günter Fröhlich, ein Philosophieprofessor in Regensburg, unbezahlt arbeitet. Der 47-Jährige muss, wie Tausende andere habilitierte Wissenschaftler in Deutschland, Vorlesungen umsonst halten. Wenn er das verweigert, werden ihm seine Titel abgenommen. Mit einer Popularklage vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof will er nun feststellen lassen, ob es mit den Grundrechten vereinbar ist, dass er sich seinen Beruf nur leisten kann, wenn er zwei Tage in der Woche in einem Caféhaus am anderen Ende der Stadt bedient.

Treffpunkt Engelburgergasse in Regensburg. Das ist passend, denn hier wohnte im 18. Jahrhundert Johann Adam Weishaupt, der Gründer der bayerischen Illuminaten. Dieser Weishaupt war, wie Fröhlich, Hochschullehrer und Philosoph und kämpfte um ein besseres Erziehungssystem, um Aufklärung, Tugend und Moral in einem absolutistischen Staat. Als er seinen Job an der Universität Ingolstadt verlor, floh er nach Regensburg, von dort weiter nach Gotha, wo er schrieb: "Die Kunst, seine Bedürfnisse immer mehr und mehr einzuschränken, ist zugleich die Kunst zur Freyheit zu gelangen." So ähnlich geht es Fröhlich auch.

Er trägt seine Haare lang und offen, dazu eine bunte Krawatte um den Hals, schwarze Weste und feine Schuhe. Fröhlich ist Ästhet, seine Klage begreift er als Teil einer ästhetischen Grundhaltung. "Man muss das, was man in den Texten liest, zum Beispiel über Grundrechte, vermitteln. Auch persönlich." Philosophie ist für ihn eine Haltung zur Welt.

Über eine steile Stiege geht es in seine Wohnung, in der sich die Besucherin vor den vielen ledergebundenen Büchern an windschiefen Wänden verbeugen möchte. Ja, so muss die Wohnung eines deutschen Professors aussehen. Nur das E-Klavier fällt etwas aus dem Rahmen, ein Spinett wäre passender gewesen. "Sie müssen Bach spielen", rät er, "das klärt die Gedanken." Günter Fröhlich serviert handgeschäumten Latte macchiato und Petits Fours mit einer Himbeere als Krone.

Die Regelung, die jetzt gerichtlich auf dem Prüfstand steht, verpflichtet Habilitierte, die den Titel des Privatdozenten oder der außerplanmäßigen Professorin tragen, zur unentgeltlichen Lehre. Dass die danach erteilte Lehrberechtigung nur bestehen bleibt, wenn die Habilitierten sie auch kontinuierlich ausüben, wäre noch nachvollziehbar. Nur, die "Titellehre" ist unbezahlt.

Die Lehrpflicht beträgt je nach Bundesland in jedem oder jedem zweiten Semester zwei Stunden pro Woche. Günter Fröhlich hat ausgerechnet, auf wie viele Arbeitsstunden er pro Semester kommt. "Für die Vorbereitung einer Vorlesung sind es bei mir zwischen 150 und 250 Stunden. Dazu kommen Prüfungen, manchmal bis zu hundert Klausuren. Das summiert sich auf bis zu dreihundert Stunden." Darüber hinaus muss er forschen. Und Geld verdienen. Er jobbt an zwei Tagen in der Woche im Café Drei Mohren.

Sein Einsatz lohnt sich, zumindest für seine Studierenden. Wer sich mit ihnen unterhält, erfährt schnell, dass Fröhlich den Ruf hat, besonders viel zu wissen, gut vorbereitet zu sein und sich Zeit für Fragen zu nehmen.

Dass er seine Studenten oft nicht nur prüft, sondern auch bedient, stört Fröhlich nicht. "Die finden das lustig." Und was macht das mit dem Verhältnis zum Professor, wenn man ihm ein Trinkgeld hinlegt? Das tue dem gegenseitigen Respekt keinen Abbruch, sagt er.