Es ist nicht immer leicht, eine nahe liegende Vermutung zu beweisen. Von der Wohnung der Familie Lueckow in Wedel aus gesehen, liegt das alte Heizkraftwerk von Vattenfall sehr nahe, nämlich im Gewerbegebiet direkt nebenan. Daher liegt auch die Vermutung nahe, die grünlichen Flocken, die in der vergangenen Woche auf ihr Grundstück niedergingen, stammten von dort. Aber kann man es wissen?

Es muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass Frau Lueckow Sprecherin einer Bürgerinitiative gegen ein neues großes Kraftwerk am Standort des alten Kohlekraftwerks ist, das sie nun verdächtigt, seinen grünen Auswurf über ihr Wohngebiet gehustet zu haben. Am Betrieb des alten Kraftwerks stört sie sich ebenfalls. Mit der zuständigen Aufsichtsbehörde des Landes Schleswig-Holstein verkehrt ihre Initiative seit Jahren nur per Anwalt, das Verhältnis zum grün geführten Umweltministerium in Kiel kann man als ruiniert beschreiben.

Die Wedeler Kraftwerksanwohner sind Leid gewohnt, durch Lärm vor allem, und alle paar Wochen, so schildert es Kerstin Lueckow, werde ihre Wohngegend weiß gepudert. "Der Auswurf von Gips kann insbesondere nach längeren Stillständen wie beispielsweise der jährlichen Revision auftreten", teilt Vattenfall dazu mit. Aber was ist mit den grünen Flocken? "Die Anwohnermeldungen zum Auswurf in den letzten Tagen sowie eine Verfärbung der Gipspartikel können wir nicht bestätigen", hieß es bei Vattenfall, "selbstverständlich" prüfe man aber, "ob es sich dabei um einen Auswurf durch das Kraftwerk handeln könnte".

Inzwischen scheint die Prüfung zu einem Ergebnis geführt zu haben: Frau Lueckow und ihre Nachbarn können sich Waschgutscheine für ihre Autos im Kraftwerk abholen und dort auch Termine mit einer Reinigungsfirma vereinbaren.

Aber wie kam es nun zu den grünen Flocken? Und wie zu dem gelben Niederschlag aus der vergangenen Woche, von dem Frau Lueckow ebenfalls berichtet? Gerade wird das Kraftwerk modernisiert, mehr als 80 Millionen Euro steckt Vattenfall hinein, um es noch einige Jahre lang gemäß den mittlerweile strengeren Umweltauflagen betreiben zu können. Auch arbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben an einem "weiteren Konzept zur Behebung des Auswurfes". Das ist gut, den Nachbarn wird der Niederschlag nämlich zu bunt. Und sie wüssten wirklich gerne, worum es sich dabei handelt.