Man muss zwei Arten von Gewittern unterscheiden: Da sind zunächst einmal die Wärmegewitter, die es bei uns im Sommer gibt, auch Luftmassengewitter genannt. Heiße Luft steigt vom aufgewärmten Boden schnell nach oben und nimmt viel Feuchtigkeit mit sich, die dann in den kalten oberen Luftschichten zu Wolken kondensiert. Dieser Effekt ist über Flüssen und Seen im Sommer meist nicht so groß. Das Wasser dort ist kühler als der Boden, und bei Windstille kann ein Gewitter auf der einen Seite des Flusses wüten, während es auf der anderen Seite ruhig bleibt. Seen und Meeresbuchten dagegen können auch großräumig das Wetter beeinflussen – etwa wenn im Winter das Wasser viel wärmer ist als die Luft. In Lübeck fielen vor drei Jahren aufgrund dieses lake-effects in einer Nacht 50 Zentimeter Schnee.

Dann aber gibt es Gewitter fronten – da sind gigantische warme und kalte Luftmassen beteiligt. Kalte Luft schiebt sich wie ein Keil unter die warme, und dadurch entstehen in großer Höhe Quellwolken. Eine solche Front, die durchs Land zieht, enthält große Mengen an Energie, zudem spielen sich die entscheidenden Prozesse in Höhen ab drei Kilometer ab. Eine solche Gewitterfront schert sich nicht darum, ob sich am Boden ein Fluss durch die Landschaft schlängelt. Er ist keine Wetterscheide, die solche großflächigen meteorologischen Phänomene in ihrem Lauf beeinträchtigen könnte. Das schaffen allenfalls Gebirgszüge – sie zwingen große Luftmassen dazu, aufzusteigen und dabei eventuell ihre Wasserlast abzuwerfen. Dass in Norddeutschland oft tatsächlich nördlich und südlich der Elbe unterschiedliches Wetter herrscht, liegt nur daran, dass der Flussverlauf ungefähr den verlängerten Küstenlinien von Nord- und Ostsee entspricht.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de.’’

Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts’’

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio