Mitte Juni haben Bund und Länder den Finanzierungsstopp für Graduiertenschulen beschlossen, jene Einrichtungen, die an Universitäten für eine international attraktive Promotion sorgen sollen. Allerspätestens von 2019 an müssen sie ohne die Millionen aus der Exzellenzinitiative klarkommen, besser noch von 2017 an. Das scheint niemanden richtig aufzuregen.

Die Gelassenheit ist bemerkenswert. Vor allem mit Blick auf die Summen, die bislang in die Graduiertenschulen fließen. Weit mehr als eine halbe Milliarde Euro wird es am Ende der Förderlaufzeit sein. Gut 223 Millionen Euro davon gingen zwischen 2006 und 2012 an insgesamt 39 Graduiertenschulen. In der zweiten Exzellenzförderrunde (2012 bis 2017) wurde noch eine Schippe draufgelegt: 360 Millionen Euro für 45 Graduiertenschulen. Das macht pro Jahr und Einrichtung etwa 1,6 Millionen Euro.

Ein Betrag, den selbst Befürworter von Graduiertenschulen heute für überzogen halten: "Zum Teil wurden überdimensionierte Konstruktionen geschaffen", räumt Gerald Warnecke ein. Er ist wissenschaftlicher Direktor der Graduiertenschule an der Uni Magdeburg, die allerdings seit je ohne Exzellenzgelder auskommt. Das geht, wenn auch nur leidlich. Aus den Bordmitteln der Universität lässt sich aktuell eine einzige Stelle finanzieren. Eine weitere sei "in der Diskussion", sagt Warnecke. Das Beispiel Magdeburg zeigt: Graduiertenschulen können auch auf einer niedrigeren Finanzierungsbasis agieren, doch will die im universitätsinternen Verteilungskampf erst einmal erstritten sein.

Dafür braucht es Verbündete. Wer könnte das sein? Die Fakultäten eher nicht. Als Trägerinnen des Promotionsrechts haben sie zwar für die Qualität der Doktorandenqualifikation einzustehen, doch sehen sie in Graduiertenschulen bis heute die Manifestation einer ablehnungswürdigen "verschulten Promotion". Und so stellt der Präsident des Allgemeinen Fakultätentags, Albert Albers, klar: "Wenn die Graduiertenschulen weitergeführt werden sollen, dann nicht zur finanziellen Belastungen der Fakultäten."

Die Stille, mit der das Zuschussende für Graduiertenschulen quittiert wird, erzählt von Verlustängsten im Wettbewerb. Das Schweigen hat den Verband UniWind nervös gemacht. In diesem Netzwerk sind circa 50 Unis vereint, die Nachwuchsförderung als zentrale Aufgabe der Universität begreifen. In einer internen Befragung erkundet der Verband gerade, wie seine Mitglieder mit dem Finanzierungsstopp umgehen. Eine Maßnahme, die Warnecke zufolge auch der Sensibilisierung der Universitätsleitung dient. Die Botschaft dahinter: Leute, fallt bloß nicht in den alten Trott zurück!

Was auf dem Spiel steht, macht UniWind-Vorsitzende Erika Kothe deutlich: "Mit den Graduiertenschulen wurde etwas erreicht, was seit 1968 nicht mehr gelang: die Anerkennung einer ganzen Gruppe von Universitätsangehörigen. Damals waren es Studierende, heute sind es Promovierende und Postdocs." Diesen Status gilt es zu verteidigen.