... Nach dem vergangenen Wochenende habe ich eine Ahnung, was damit gemeint sein könnte.

Seit ein paar Tagen fehlt mir ein Rad, genauer gesagt: ein Vorderrad. An dem Tag, als in unserer letzten ZEIT-Ausgabe der Chef der neuen "Soko Fahrrad" riet, sein Fahrrad immer mit zwei Schlössern zu sichern, machten sich Diebe an meinem zu schaffen. So einrädrig sieht es jetzt ziemlich bedauernswert aus, was aber das kleinere Problem ist. Das größere Problem: Ich bin nun voll auf Sie angewiesen, lieber HVV.

Der mit Abstand schönste Weg von und zur Insel, das werden Sie bestätigen können, ist die Fähre 73. Während der Pauschaltourist im Gedränge der Schiffe Richtung Övelgönne Klischeefotos von der Hafenkulisse macht, hat sich die 73 zum Geheimtipp unter Hamburg-Gästen entwickelt. Traumblick auf die Elphi, dann schippert man durch Ecken, an denen der Hafen aussieht, wie man sich einen Hafen eben vorstellt.

Etwa sieben Minuten laufe ich von zu Hause zum Anleger. Dort sitzen sehr entspannt aussehende Angler, und ich denke mir noch, wie attraktiv diese Insel doch für Touristen sein könnte. Da fällt mir ein: Es ist Wochenende. Die Fähre fährt nicht.

Die Hadag geht offenbar davon aus, dass Wilhelmsburg für Touristen nicht interessant ist und echte Wilhelmsburger am Wochenende nicht in die Innenstadt wollen. Beides deckt sich zwar nicht mit den Eindrücken, die der Gast bei Gesprächen auf der Fähre bekommt – aber vermutlich gibt es bei Ihnen oder der Hadag eine repräsentative Umfrage oder kluge Controller, die es besser wissen.

Also sieben Minuten zurück und sieben Minuten weiter zur Stadtradstation. Gerade ist die Meldung durch die Presse gegangen: 1,5 Millionen Menschen haben sich im ersten Halbjahr ein Hamburger Stadtrad geliehen, allein im Juni gab es mehr als 10.000 Neuanmeldungen. Hoffentlich ist bei dem Ansturm noch ein Rad für mich übrig, denke ich noch, da sehe ich: Unsere Station ist weg. Die Veringstraße wird umgebaut; auf die Idee, die Station ein paar Meter zu verlegen, ist offenbar niemand gekommen. Vielleicht haben Sie gedacht: Die Prekären fahren eh kein Fahrrad, die Hipster haben alle schon eins, wofür also eine Stadtradstation? Mein Handy zeigt, die nächste Station ist 2,4 Kilometer entfernt.

Bis zur Bushaltestelle sind es nur hundert Meter. Der Bus 13 ist das Hauptverkehrsmittel der Insel, fast immer überfüllt, aber mit derart sehenswerten Gestalten, dass es ein Theaterstück und einen Film über die Linie gibt. Unter der Woche stressig, aber am Wochenende einen Ausflug wert, denke ich, als ich vor einem Zettel ins Stocken gerate: "Diese Haltestelle wird für die Dauer von 6–7 Monaten nicht bedient." Wegen Bauarbeiten.

Also sechs Minuten zur nächsten Haltestelle laufen, von da mit dem Bus aus zur S-Bahn-Haltestelle Veddel. Angeblich 350.000 Fahrgäste nutzen die S3 und die S31 täglich. Die Strecke von und gen Süden ist eine der am stärksten frequentierten S‑Bahn-Strecken der Stadt. Eigentlich. Denn die S‑Bahn ist ebenfalls dicht. Schienenersatzverkehr, Menschen drücken sich in Bussen die Nase platt. Im besten Fall dauert die Fahrt zum Hauptbahnhof statt sechs nun 21 Minuten.

Eine kurze Umfrage in der Nachbarschaft ergibt: Bisher hat niemand den besten Fall erlebt.

Mit besten Grüßen

Oliver Hollenstein