Wenn Lillian, Charlotte und Tom Formen aus buntem Papier ausschneiden, wenn sie im Garten spielen oder 40 Grad Fieber haben, können diese Szenen Zehntausende Menschen verfolgen. Denn die Mutter von Lillian, Charlotte und Tom heißt Marisa Hart und ist die erfolgreichste deutsche Mamabloggerin. Auf der Internetseite babykindundmeer.de schreibt die 29-Jährige über ihre Familie, rund 200.000 Menschen verfolgen das im Monat.

Ein Mamablog?

Die ersten Mütter, die nicht darüber diskutierten, ob Familie und Beruf vereinbar sind, sondern begannen, mit ihren Familien Geld zu verdienen, waren Amerikanerinnen: Ein paar von ihnen schrieben über Schwangerschaftsstreifen und Trotzanfälle und Einhorn-Partys, und manche der rund vier Millionen US-Mamabloggerinnen wurden darüber reich und berühmt. Heather Armstrong verdiente mit ihrem 2001 gestarteten Blog Dooce bis zu 45.000 Euro monatlich und schaffte es auf die Forbes-Liste der 30 einflussreichsten Medienfrauen.

Das meiste Geld verdient Marisa Hart mit Werbebannern und gesponserten Artikeln

In Deutschland ist Marisa Hart eine von inzwischen rund 2.000 Mamabloggerinnen, ihr Blog ging kurz nach der Geburt der zweiten Tochter online. Ihr Mann arbeitete als Schiffsbauingenieur, Hart war mit den Mädchen zu Hause. Das Blog, sagt sie, habe ihren Alltag strukturiert. An einem Tag buk sie Regenbogenmuffins, am nächsten bemalte sie mit ihren Kindern ein Vogelhaus. Immer schrieb sie darüber.

Je mehr Leser Harts Seite hatte, desto größer wurde das Interesse der Firmen. So läuft das mit erfolgreichen Blogs: Unternehmen bitten den Blogger um Werbekooperationen, zum Beispiel Gewinnspiele, und das wiederum zieht neue Leser an. Nach einem halben Jahr hatte Marisa Hart 30.000 Leser – und verdiente das erste Geld: 150 Euro für ein Fotobuch-Advertorial. Zwölf Monate später, sagt Hart, habe sie zwischen 200 und 400 Euro monatlich verdient.

Und heute? Marisa Hart malt ein Tortendiagramm auf. Zwei Tortenstücke sind sehr groß. Sie stehen für Werbebanner und Advertorials, Harts wichtigste Einnahmequellen. 16 Bannerarten stehen auf Harts Blog zur Verfügung, der kleinste kostet 150 Euro monatlich, der größte 1320 Euro. "Die Advertorials gewinnen immer mehr an Bedeutung", sagt Hart. Für ein Advertorial bekommt sie inzwischen 800 bis 1.500 Euro.

Während sie redet, klettert ihr Sohn Tom draußen im Garten in ein Plastikauto mit Rutsche. Über das und andere Produkte desselben Herstellers hat Hart genau solche Advertorials geschrieben. Advertorials sind Werbeanzeigen, die nicht nach Werbung aussehen: persönlich gefärbte Beiträge, in denen Hart erzählt, dass sie Plastik überhaupt nicht mochte, bis sie auf die Produkte von Smoby Toys stieß. In dezenter Schrift steht "Werbung" darüber. "Marisa Hart schreibt, wie man es sich als Hersteller wünscht", sagt Katrin Bachmann, Marketingchefin von Smoby Toys Deutschland. "Kleine Geschichten aus dem Leben und dazu süße Fotos ihrer Kinder."