Es gibt zwei Vorurteile, das modische Erscheinungsbild der Hamburger betreffend: Sie ist beige, er ist blau und grau. Wie immer stimmt auch hier das Klischee, man muss nur zu einem Charity-Lunch ins Hyatt gehen oder zu einem Geschäftsessen der Handelskammer.

Bei den Damen finden mittlerweile stilistische Lockerungen statt. In den Nobelboutiquen am Neuen Wall kauft nicht nur die chinesische Touristin, sondern auch die Klientel aus Blankenese und Alsterdorf. Gut so. Es gibt ein Leben jenseits des Twinsets und der Pennyloafers.

Die Herren, insofern modisch versiert und finanziell gut gepolstert, hatten bislang die Wahl zwischen Understatement und Exzentrik. Man ging zu Ladage & Oelke und kleidete sich ein wie ein englischer Banker oder Entenjäger. Oder zu Mientus, wo die Schaufenster aussehen wie die Kulissen für einen Fiebertraum von Kanye West.

Jetzt gibt es den ersten Concept-Store für Männer in Hamburg, er heißt Apropos und liegt am Neuen Jungfernstieg 6, also gleich neben dem Hotel Vier Jahreszeiten. Entsprechend spekuliert man auf die touristische Kundschaft, auf den global aktiven Mann, der schnell mal seine Garderobe ergänzen oder aufhübschen will.

Concept-Store heißt: sündhaft teure Mode plus ausgesuchte Accessoires. Die Garderobe wird nicht mehr zusammengestellt, sondern kuratiert, so wie heute alles kuratiert wird, von der Kunstausstellung bis zum Kindergeburtstag.

Bei Apropos findet man Gucci-Strickjacken mit Teddymuster und Nerzkragen (1500 Euro), Sakkos von Palm Angels im sogenannten Destroyed-Look mit Rissen und künstlichen Mottenlöchern (1000 Euro) und Manolo-Blahnik-Slippers (800 Euro).

Die Deko-Utensilien bestechen mit zweckfreier Raffinesse. Wandteller von Piero Fornasetti, einem Designer, der zwanghaft die Welt der Haushaltswaren mit dem Konterfei der italienischen Opernsängerin Lina Cavalieri (1874 bis 1944) überzieht. Taschenleerer mit Unterglasmalerei von John Derian (ideal als Mitbringsel, wenn man in Kampen einen Besuch abstattet und der Hausherr seine Manschettenknöpfe schon immer mal im Gesicht eines nordamerikanischen Indianerhäuptlings ablegen wollte).

Außerdem Parfums, Reiseführer, Luxus-Gin und iPhone-Hüllen mit gepixelten Wolfsgesichtern (Datenschutz für Wildtiere? Ach, die Mode und ihre Zeichen).

Ralf Block, der Leiter der Filiale (es gibt Apropos auch in Köln, Düsseldorf und München), sieht aus wie der feinsinnige Schurke aus einem Bond-Film: Glatze, Armani-Anzug, Krückstock. Von so einer Kunstfigur lässt man sich gern die Logik des Geschäfts erklären: "Unser Kunde braucht nichts. Deshalb frage ich nie: ›Was benötigen Sie?‹ Sondern: ›Was würde Sie glücklicher machen?‹"

Der traditionell kostenbewusste Hanseat wählt einen Geldbeutel von Louboutin. Leder, verziert mit Spikes. So tut jeder Griff zur Börse weh – perfekt für den Puritaner zwischen Disziplin und Hedonismus.