Mit dem pekuniären Nähe-Distanz-Problem gehen sie sehr unterschiedlich um. Die Heinrich-Böll-Stiftung und Airbus etwa teilten sich die Kosten fifty-fifty. Greenpeace berät Unternehmen nur ausnahmsweise und dann unentgeltlich. Der World Wide Fund for Nature (WWF) nimmt hingegen ansehnliche Beratungshonorare. Auch der Nabu stellt Rechnungen aus, unter anderem über Lizenzen für sein Label. Die Begründung: Nabu-Mitglieder überwiesen ihr Geld für den Naturschutz und nicht für kostenlose Unternehmensberatung. Allein VW zahlte im Jahr 2014 daher rund 530.000 Euro. Einen Anteil von 15 Prozent des Nabu-Etats dürften die Einnahmen aus Unternehmenskooperationen aber nicht überschreiten, betont Tschimpke. Abhängig werde der Verband deshalb auf keinen Fall. Und auch nicht weniger kritisch.

Die Kontroverse über den Wandel durch Annäherung ist nicht neu. Schon seit Mitte der neunziger Jahre trauen große NGOs den Politikern und Regierungen kaum mehr zu, dass sie auf offenen Weltmärkten der Macht der Wirtschaft noch mit Gesetzen trotzen können. Sie setzen sich lieber direkt mit Konzernen an einen Tisch. Der langjährige Chef des WWF in Kanada, Gerald Butts, formulierte das einmal ganz schön respektlos: "Wenn es um Nachhaltigkeit geht, ist Coca-Cola wichtiger als die Vereinten Nationen."

Doch seither ist viel passiert.

Auf der Negativseite hat sich Butts vollmundige These als ziemlich vermessen erwiesen. Gerade der internationale WWF musste sich mehrmals Zahnlosigkeit vorwerfen lassen, zum Beispiel weil er am Runden Tisch mit Herstellern und Nutzern von Palmöl beim Nachhaltigkeitssiegel RSPO allzu laschen Regeln zugestimmt hatte. Oft komme dieses Öl noch immer "aus nachhaltigem Raubbau", spottet die Buchautorin Kathrin Hartmann.

Auch die Allianzen zur Hungerbekämpfung entpuppen sich keineswegs als Allheilmittel. Zwar können Kleinbauern davon profitieren, wenn Konzerne im Schulterschluss mit globalen NGOs Kaffee, Baumwolle oder Kakao fairer produzieren. Doch die Nachfrage der Multis spielt für die Ernährung der Allerärmsten nicht überall die entscheidende Rolle; oft werden sie sogar von den neuen Allianzen aus dem Feld gedrängt. Auch deshalb sind Entwicklungsorganisationen bei Unternehmenskooperationen zurückhaltender als Umwelt-NGOs.

Doch es gibt auch positive Verstärker des Trends. Seitdem die 17 Sustainable Development Goals beschlossen wurden, werben sogar die Vereinten Nationen immer stärker für Allianzen zwischen Zivilgesellschaft und Industrie. Zudem fordern große Investoren den Konzernen heute Nachweise ab, dass sie sich um Klima und Ressourcen kümmern – da kommen Kooperationen mit Umweltschützern gut an. Auch "ethischen Konsum" bekommen Konzerne immer deutlicher zu spüren. Nicht nur McDonald’s ist schon deshalb aufs Ergrünen aus, weil die Fast-Food-Kette Kunden an die Bio- und Veggie-Konkurrenz verliert.

Außerdem steigt eine neue Generation von Managern auf. Schon von der Umweltdebatte geprägt, achtet sie selbstverständlicher auf Klima und Ressourcen. Sie fordert Umweltschützer schon mal auf: "Greift uns an!", um mit deren Druck im Inneren Veränderungen anschieben zu können.

Die NGO-Vertreter stöhnen manchmal schon: "Jeder will was von uns." Denn für all die Partnerschaften, Dialoge und "Multistakeholder-Initiativen" mit den Goliaths haben die Davids gar nicht genug Kapazitäten frei. Auch deshalb stellt sich die Frage: Unter welchen Rahmenbedingungen werden Kooperationen am ehesten produktiv?