Die Liaison zwischen VW und Nabu zum Beispiel wurde zur Mesalliance, weil sie in der Kommunikationsabteilung des Konzerns angesiedelt war, weit entfernt von den eigentlichen Strategen. So wurden zwar mithilfe von viel Geld Moore geschützt und Wölfe angesiedelt. Gemeinsam organisierten Autobauer und Naturschützer Benzinsparkurse oder erhöhten die Zahl verbrauchsarmer Autos in der Leasingflotte. Doch ins Herz der Unternehmenskultur drang das alles nicht vor. Als die Dieselaffäre öffentlich wurde, fielen die Wolfsburger Umweltfachleute ebenso aus den Wolken wie ihre Naturschutz-Freunde.

Nach dem Abgas-Skandal will VW nun mit einer "Elektrifizierungsoffensive" und "smarten Mobilitätslösungen" punkten. Das Thema Nachhaltigkeit wurde aufgewertet, es ist jetzt im Ressort des Vorstandsvorsitzenden platziert. Der zuständige VW-"Außenminister" Thomas Steg würde auch die "antagonistische Kooperation" mit dem Nabu gern wiederaufleben lassen. Doch der Verband traut den Worten noch nicht. Seine Bereitschaft zu neuen Gesprächen hat er an noch höhere Umweltanforderungen gebunden.

In der Rewe Group hingegen gehört die Nachhaltigkeitsbeauftragte schon länger zur Geschäftsführung. Auch deshalb erwuchs aus einzelnen Schreiadler- oder Waldschutz-Projekten mit dem Nabu eine "langfristige strategische Partnerschaft". Der Nabu berät Rewe dabei, wie er darauf achten kann, dass seine Apfel-Lieferanten mehr Wert auf Artenschutz legen. Eine halbe Million Euro bekommt er im Zuge der Plastiktüten-Aktion für Aufklärung über "saubere Meere, Flüsse und Seen". Und er redet beim firmeneigenen Umweltlabel Pro Planet mit.

Ein Makel dieser und anderer Allianzen bleibt: Meist sind sie auf einzelne Maßnahmen, Produkte und Unternehmen beschränkt. Deshalb wird heute parallel zur Kungel-Konjunktur auch der Ruf nach Politik und Regierungen wieder lauter. Verbindliche Standards, Nachweis- oder Gewährleistungspflichten für alle: Das sind schärfere Mittel, um die Wirtschaft zukunftstauglich zu machen. Das sagen selbst einige Manager – hinter vorgehaltener Hand.

Sobald es ernst werden könnte, leisten dann allerdings ihre Verbände heftigen Widerstand. Das zeigt sich gerade wieder an dem Versuch, deutsche Unternehmen für Menschenrechtsverstöße in anderen Ländern haftbar zu machen. In diesem Fall hätte sich etwa KiK wegen eines Brandes in Bangladesch verantworten müssen. Prompt schmolz ein entsprechender Gesetzentwurf auf einen unverbindlichen "Aktionsplan" herunter.

Also müssen NGOs, Verbände und Wissenschaftler weiter Druck machen: bei Regierungen und bei den Unternehmen. Dazu können Kooperationen durchaus beitragen, Rewes Plastikbeutel sind ein gutes Beispiel. Denn eigentlich lässt die EU der Wirtschaft noch bis 2025 Zeit, den Tütenverbrauch um 80 Prozent zu senken. Rewes höheres Tempo setzt nun Wettbewerber unter Druck. Und Politiker sehen: Es geht auch schneller.

Wenn dann andere NGOs halb gare Kompromisse aufdecken, etwa dass auch die Papiertüte keineswegs immer umweltfreundlich ist oder die Anforderungen bei einigen Pro-Planet-Produkten noch recht willkürlich erscheinen, dann ähnelt das der bewährten Arbeitsteilung zwischen good cop und bad cop. Die Ökoszene spielt bewusst auf der gesamten Klaviatur der Einflussnahme: die einen nur von außen, die anderen auch von innen. Kooperationen wären demnach kein Riesenhebel, aber manchmal eines der Instrumente aus dem Werkzeugkasten.