Es gibt ein Mittel gegen die AfD, der CDU-Politiker Hardy Peter Güssau hat es erfunden. Klein und rund ist es, und wenn man mit dem Finger daraufdrückt, wird alles still. Es handelt sich um einen Knopf an seinem, Güssaus, Tisch – dem Tisch des Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt. Einen Schalter, mit dem er das Mikrofon am Rednerpult an- und ausknipsen kann.

Als feststeht, dass die AfD ins Parlament einzieht, fragt sich Güssau, wie sich die Populisten in Schach halten ließen. Er kann ja nicht aufstehen und sie umhauen, wenn sie sich nicht benehmen. Also geht Güssau zu den Technikern des Parlaments, so wird er es später erzählen. "Ich möchte einen Knopf haben", sagt er. Für den Fall, dass einer der Neuen brülle oder seine Redezeit überziehe. Güssau will die AfD abschalten können.

So ein Knopf sei nicht leicht einzubauen, entgegnen die Techniker, man müsse beachten, dass auch die Rundfunkanstalten ihren Ton über die Saaltechnik beziehen, dass für die Stenografen jedes Wort zu verstehen sein müsse, und überhaupt: So etwas gab es noch nie!

Güssau aber besteht auf seinen Knopf. Und die Techniker bauen ihn ein. Jetzt geht im Landtag von Sachsen-Anhalt alle Macht vom Präsidenten Hardy Peter Güssau aus, dem Erfinder der ersten offiziellen AfD-Abschalteinrichtung der Welt.

"So einfach ist das", sagt Güssau.

Wirklich?

Kann man die AfD einfach wegdrücken?

Die AfD: Es gibt sie erst seit drei Jahren, aber sie sitzt bereits in acht Landesparlamenten. Übernächstes Wochenende bei den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern könnte sie sogar erstmals stärkste Kraft in einem Bundesland werden. Nie zuvor hat eine neu gegründete Partei in so kurzer Zeit so viele Stimmen gewonnen. Und nie zuvor hat eine Partei, die so viele Stimmen gewann, das politische System der Bundesrepublik derart verachtet. "Volksverräter!", "Blockparteien", "Die stecken dort alle unter einer Decke", das kann man bei AfD-Veranstaltungen hören, wenn von deutschen Parlamenten die Rede ist.

Aber was, wenn Vertreter dieser Partei selbst in eines dieser Parlamente einziehen? Nicht als versprengtes Häuflein von drei oder vier Abgeordneten, sondern als eine der stärksten Fraktionen? Folgt dann ein politischer Frontalzusammenstoß? Ein krachender Dauerkonflikt, in dem die einen rechte Hetzreden halten und die anderen versuchen, sie per Knopfdruck zum Schweigen zu bringen? Oder nähern sie sich einander an, die Populisten der AfD und die Realisten der etablierten Parteien, das System und seine Gegner?

In Sachsen-Anhalt lässt sich diese demokratische Ausnahmesituation beobachten. Bei den Landtagswahlen im Frühjahr haben hier 24 Prozent der Wähler für die AfD gestimmt. Die ZEIT hat die AfD-Fraktion in den vergangenen knapp sechs Monaten begleitet.