Eine dunkelgrüne Sportlimousine war einmal mein ganzer Stolz. Sechszylinder, Lederausstattung, klimatisiert, Stahlschiebedach. Die Form: geduckt, sprungbereit, die Leistung: satt, das Drehmoment: ordentlich. Wumm genug, um BMW und Mercedes nass zu machen.

Irgendwann aber stellte ich fest, dass regelmäßig mehr als eine Viertelstunde dafür draufging, einen Parkplatz in der Nähe meiner Wohnung zu finden, und dass immer öfter eine Viertelstunde hinzukam für den Fußweg vom Parkplatz nach Hause. Und wenn ich einmal einen wohnortnahen Parkplatz gefunden hatte, gab ich ihn oft wochenlang nicht wieder her und fuhr mit Bus und Bahn. Eines Tages bemerkte ich, dass mein Alfa Romeo Moos ansetzte. Da seufzte ich, verkaufte meine Liebe und trat einem Carsharing-Verein bei. Die Leihautos standen zwei Minuten von meiner Wohnung entfernt.

Damals, es ist vielleicht fünfzehn Jahre her, hielten mich viele für verschroben, lustfeindlich oder für einen verbissenen Öko. Dass die Liebe eines leidenschaftlichen Autofahrers am mangelnden Parkraum in einer kleinen Großstadt wie Bremen scheitert, hielt man für undenkbar. Heute bin ich Teil einer wachsenden Gruppe von Städtern, die mitnichten nur aus alten Säcken besteht.

Julia, 31, kam nach Berlin mit einem treuen Kleinwagen. Sie schluckte es, dass sie ihr Fahrzeug Kilometer weit weg von zu Hause parken musste. Sie schluckte es auch, dass Rabauken das alte Schätzchen zerkratzten und verbeulten. Was sie nicht mehr schluckte: Ohne dass sie es ahnte, wurden an ihrem fernen Parkplatz Halteverbotsschilder aufgestellt. Als sie zwei Wochen später fahren wollte, war das Auto weg, abgeschleppt. Da gab auch Julia auf und verkaufte die Möhre.

Die ganz Jungen haben gar kein Auto mehr. Ein Automobil bewegt sich, seinem Namen zum Trotz, über 90 Prozent der Zeit nicht. Wer absehbar niemals einen akzeptablen Parkplatz für sein Auto finden wird, ein bisschen aufs Geld guckt und gescheit ist, der verwirft schnell den Gedanken, sich eins anzuschaffen. Das Ergebnis ist, dass junge Menschen an einem für ihre Autosozialisation entscheidenden Punkt wanken. Robert Schönduwe vom Berliner Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel hat das Phänomen so beschrieben: Von der "Generation Golf" zur "Generation Mietwagen"?

Die Medien verkünden es schon seit einiger Zeit: Jugend ohne Auto, Mallorca statt neues Auto, Autos für die urbane Jugend uninteressant. All diese Meldungen stammen aus den vergangenen sechs Jahren und beziehen sich auf eine kleine Studie der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Dort hatte man 2010 nach einer Befragung vom 1.200 Personen zwischen 18 und 25 festgestellt, dass die Jugend von heute lieber einen Monat lang auf das Auto verzichten würde als auf das Handy. Bis heute hallt dabei die Interpretation des Studienleiters Stefan Bratzel nach, dass das Auto als Statussymbol bei der Jugend signifikant an Bedeutung verliere. Der Satz zählt mittlerweile zum Allgemeinwissen.

Die Wahrheit ist indes komplizierter. Auf dem Land zumindest spielt das Auto weiter die Rolle, die es früher generell hatte. Es bedeutet Unabhängigkeit. Es ermöglicht Teilhabe an urbaner Kultur und Jobs in weiter Ferne. Und selbst mit dem fetten SUV findet man stets einen Parkplatz direkt vor der Tür.