Als Donald Trump einmal darauf angesprochen wurde, wie er seine kostspieligen Wahlversprechen bezahlen wolle, sagte er: "Ich liebe Schulden, ich bin der König der Schulden." Es ist ein bemerkenswerter Satz für einen konservativen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten. Denn der Kampf gegen die angeblich überbordende Staatsverschuldung gehört normalerweise auf beiden Seiten des Atlantiks zum Markenkern konservativer Wirtschaftspolitik.

Aber was ist schon normal in diesen Zeiten, in denen die Deutungshoheit der etablierten politischen Parteien von rechtspopulistischen Bewegungen infrage gestellt wird? Die Politaufsteiger durchbrechen althergebrachte ökonomische Frontverläufe. Wenn Trump amerikanische Arbeitsplätze mit Schutzzöllen sichern will, wenn der Front National in Frankreich zur "Sicherung der Ersparnisse" die Banken verstaatlichen möchte und wenn die AfD in Deutschland den Mindestlohn lobt, weil er eine "Existenz jenseits der Armutsgrenze" und die "Finanzierung einer, wenn auch bescheidenen, Altersvorsorge" ermögliche – dann greifen sie alle tief in den Instrumentenkasten dessen, was einmal sozialdemokratische Wirtschaftspolitik war.

Was also zeichnet die ökonomischen Vorstellungen der Populisten aus – und vor allem: Wer profitiert wirklich davon?

Wenn es so etwas wie einen Vordenker der Populonomics gibt, dann ist es Florian Philippot. Der Franzose ist, wie er es selbst formuliert, ein "Produkt der republikanischen Meritokratie". Als Sohn eines Grundschullehrers erkämpfte der smarte Mittdreißiger sich einen Platz an der Kaderschmiede ENA und nutzte seine dort erworbenen Kontakte für eine steile politische Karriere. Philippot hat für den linksnationalistischen französischen Präsidentschaftsbewerber Jean-Pierre Chevènement gearbeitet, er verehrt Charles de Gaulle, den Gründer der Republik, und verachtet den Euro. Seit sechs Jahren ist Florian Philippot stellvertretender Vorsitzender des Front National – und gilt als ein enger Vertrauter der Vorsitzenden Marine Le Pen.

Der Front National war bis vor wenigen Jahren eine eher wirtschaftsliberal ausgerichtete Bewegung. Doch Philippot hat sie auf einen neuen Kurs gezwungen: Importquoten zum Schutz heimischer Unternehmen, staatliche Eingriffe zur Förderung der Industrie, höhere Löhne und Sozialleistungen für Geringverdiener. Philippot will so ein Bollwerk gegen die "ultraliberale Globalisierung" errichten und die "ökonomische Souveränität" Frankreichs wiederherstellen.

Es ist ein Programm für die Erniedrigten und Beleidigten der Weltwirtschaft – oder zumindest für diejenigen, die sich dafür halten. Der Erfolg scheint Philippot recht zu geben: Wenn heute Präsidentschaftswahlen abgehalten würden, läge Le Pen laut Umfragen an zweiter Stelle, weit vor Amtsinhaber François Hollande.

Vielleicht erklärt auch das, warum die AfD dem Linksruck des französischen Vorbildes nacheifert. Die wirtschaftsliberale Gründergeneration ist in der Partei seit Monaten unter Druck – sofern sie diese nicht bereits verlassen hat, wie die Wirtschaftsprofessoren Bernd Lucke und Joachim Starbatty oder der ehemalige Industrieverbandspräsident Hans-Olaf Henkel. Mit der Neuausrichtung – weg vom Fokus auf Euro und Europa, hin zu Themen wie Islam und Einwanderung – verschieben sich auch die wirtschaftspolitischen Prioritäten der AfD ganz erheblich.

Im neuen und nach langen, quälenden Diskussionen verabschiedeten Grundsatzprogramm lehnt die Partei nun das transatlantische Handelsabkommen TTIP ab, verspricht mehr Geld für Bildung und Familien. Vor allem aber fordert sie "grundsätzliche Reformen am Geldsystem und dem Kartell aus Zentral- und Geschäftsbanken" – ein Topos, der sich in vielen populistischen Politikentwürfen findet.