Auch eine IB-Ortsgruppe in Hamburg taucht zu dieser Zeit mit einer eigenen Facebook-Seite auf. Ihre ersten Aktionen: Im März 2013 verteilt die Gruppe Flugblätter in der Innenstadt und auf dem Uni-Campus. Im selben Monat protestieren Identitäre bei einer Kundgebung im Stadtteil Horn gegen die Umwidmung einer Kirche in eine Moschee. Danach wird es zunächst wieder ruhig um die Hamburger Gruppe. Bei einem Deutschlandtreffen der Identitären Bewegung im April 2014 wird sie stillgelegt.

Auf dem Treffen wählen die Mitglieder einen neuen Bundesvorstand und beschließen, die Bewegung zu hierarchisieren. Unterhalb der Führungsebene sollen größere, kampagnenfähige Regionalgruppen entstehen. Die Hamburger werden der aktiveren Gruppe aus Lüneburg zugeordnet und zusammen in "IB Großraum Lüneburg" umbenannt. Später wird die Gruppe abermals umbenannt und heißt inzwischen "IB Niedersachsen".

Jan Krüger, der mitverantwortlich ist für die Aktivitäten in Lüneburg und Hamburg, war früher Aktivist der Jungen Nationaldemokraten, der Jugendorganisation der NPD. Er versichert, dass er keine Verbindungen mehr habe zur NPD. Im Jahr 2015 war er bei der bislang größten Aktion der IB anwesend: der kurzzeitigen Besetzung der SPD-Zentralen in Hamburg und Berlin.

Der Aufbauplan 2014, ein IB-Dokument, das im Netz zu finden ist und die Vorhaben der Ortsgruppe in Hannover skizziert, zeigt, dass Jan Krüger mit seiner NPD-Vergangenheit bei den Identitären kein Einzelfall ist. In dem Papier heißt es, "ehemalige NPD-Funktionäre, welche sich von dieser Partei klar distanzieren und mit uns sympathisieren", seien für die "Elite" des IB nicht zu gebrauchen, sie würden in dieser Funktion der Gruppe schaden. Als Mitglieder sind sie aber offenbar willkommen.

Bis heute unterhält die IB außerdem Kontakte zur Burschenschaft Germania. Ehemalige IB-Mitglieder sind Mitglieder der Burschenschaft, zudem sollen Identitäre eine Veranstaltung im Germanenhaus besucht haben.

Inzwischen bestehen die Identitären nach eigenen Angaben bundesweit aus 15 regionalen Gruppen, in denen sich etwa 400 Personen engagieren. Allein 35 Mitglieder hat die IB demnach in Hamburg, dazu 70 Unterstützer. Der Verfassungsschutz äußert sich nicht zu diesen Zahlen. Amtsleiter Voß sagt aber: "Wenn ich mir die Aktionen der Identitären anschaue, dann sind sie häufig offensiv und auf Konfrontation angelegt, einschließlich der Verunglimpfung staatlicher Stellen. Diese Vorgehensweise hat meiner Einschätzung nach ein erhebliches Eskalationspotenzial."