DIE ZEIT: Herr Nater, Sie verkaufen Notvorräte in Dosen. Geht es nach der Bundesregierung, soll jetzt jeder Vorräte hamstern. Wie laufen die Geschäfte?

Philipp Nater: Gut. Seit diese Nachricht raus ist, haben sich unsere Bestellungen verdreifacht. Die E-Mails kommen im Minutentakt bei mir rein, das Telefon steht nicht still. Notfallvorräte kennen eigentlich nur noch ältere Generationen, unsere Großeltern beispielsweise. Der letzte Krieg in Europa ist ja, bis auf die Jugoslawienkriege, 70 Jahre her.

ZEIT: Ein Krieg ist auch jetzt ziemlich unwahrscheinlich.

Nater: Das stimmt. Die größere Gefahr ist ein Stromausfall. Heutzutage sind alle Bestellprozesse, alle Abläufe im Supermarkt digitalisiert, sobald da die Lichter ausgehen, liegt das Geschäft still. Dann fahren keine Lastwagen mehr, die Zulieferketten brechen zusammen. Bis alles wieder in Gang kommt, dauert es mindestens zwei bis drei Tage. Das Gleiche gilt für Unwetter und Hochwasser.

ZEIT: Ich stelle mir Ihre Kunden etwas überängstlich vor.

Nater: Keinesfalls. Bei uns bestellt auch der knallharte Unternehmer. Der kauft sich dann ein Monatspaket, das hat 60.000 Kalorien, da sind beispielsweise Linsen, Dinkelflocken oder Kichererbsen drin. Das stellt er sich in den Keller und denkt: Jetzt bin ich gewappnet, jetzt kann mir nichts mehr passieren. Und damit ist das für ihn erledigt. Wir haben aber auch Stammkunden, die hier jeden Monat für 300 bis 400 Euro bestellen.

ZEIT: 300 bis 400 Euro im Monat für Konserven. Wieso?

Nater: Einige möchten ihren Vorrat vielleicht einfach erweitern. Für andere ist das möglicherweise eine Geldanlage. Bei der Bank gibt es ja keine Zinsen mehr, dann kann ich mein Geld auch in Dosen investieren.

ZEIT: Wann gibt es besonders viele Bestellungen? Wenn ein neuer Katastrophenfilm in die Kinos kommt?

Nater: Das spielt für uns keine Rolle. Aber wenn es draußen dunkler wird, im Herbst, im Winter, bestellen die Leute mehr.

ZEIT: Sie verkaufen auch Schutzanzüge und Geigerzähler. Geben Sie zu, das ist bizarr!

Nater: Das wird bestellt, sonst hätten wir es nicht im Sortiment. Wir bieten aber keine Verschwörungstheorien an.

ZEIT: Sie vertreten ein Schweizer Unternehmen. Seit 2012 haben Sie auch hier in Deutschland eine Niederlassung. Ist es die berühmte German Angst, die Sie angezogen hat?

Nater: Nein, wir wollten damals einfach nur das EU-Geschäft ankurbeln. Im Vergleich zu den Schweizern legen sich die Deutschen eher wenig Notfallvorräte zu. Das ist sicher auch geschichtlich so gewachsen. Autarkie liegt uns Schweizern im Blut.

ZEIT: Ihr Jahrespaket mit Makkaroni, Risotto-Reis und Vollmilchpulver kostet 2.750 Euro. Das ist nicht gerade günstig.

Nater: Das enthält dafür aber 716.500 Kalorien. Und auf die Kalorienzahl gerechnet, ist das billig.

ZEIT: Warum kann ich mir nicht einfach Nudeln und Reis für meinen Notfallvorrat im Supermarkt kaufen?

Nater: Die meisten unserer Lebensmittel werden so unter Schutzatmosphäre vakuumiert, dass der Sauerstoffgehalt unter 0,5 Prozent liegt – sie sind dann mindestens zehn Jahre lang haltbar.

ZEIT: Dosenessen ist eigentlich nicht gerade gefragt. Bio boomt in Deutschland.

Nater: Wir bieten auch Biofleisch an. Allerdings in Dosen.