Wahres Kino ist Kopfsache. Gute Regisseure deuten Grauen oder Glück lediglich an, ohne es zu zeigen. Die eigentliche Arbeit übernimmt die Fantasie. Mit ihrer Hilfe tauchen Zuschauer die Realität in bunte Farben, als wäre sie ein Malbuch für Erwachsene. Nebeneffekt: Ist das Ergebnis unansehnlich, kann sich der Regisseur fein rausreden.

Ähnlich wie Bilder wirken Worte. Auch sie deuten oft mehr an, als sie genau genommen sagen. Und deswegen fantasieren sich Konsumenten immer wieder etwas zusammen. Manchmal genügen dazu bloß ein paar angefügte Buchstaben. So lässt die Endung "-bar" viele Produkte wie grüne Umweltengel wirken, ohne das ausdrücklich zu behaupten. Getarnte Engel erkennt man an Zuschreibungen wie recycelbar, wiederverwertbar, kompostierbar oder wiederbefüllbar – Umweltschutz, wohin man blickt. Fein, dass auch ich zum Schutz des Planeten beitragen kann, den wir uns von unseren Kindern nur geborgt haben, sagt der Konsument, während er an der Kasse sein imaginäres Malbuch ausmalt.

"-bar"-Worte erzeugen Kopfkino, bleiben aber unverbindlich, weil ihre Benutzer kaum dazu beitragen, dass die Verheißung Wirklichkeit wird. Dass ein Produkt beispielsweise wiederverwendbar ist, setzt voraus, dass es jemand wiederverwenden will und kann. Kaffeekapseln und Pappbecher werden ja auch mit dem Argument verkauft, sie seien recycelbar – was stimmt, der Hersteller aber nicht garantiert und der Verbraucher nicht kontrolliert. Doch solange aus "man könnte" nicht "man macht" wird, landen die vielen getarnten Engel ebenso im Fegefeuer der Müllverbrennungsanlage wie der übrige Wohlstandsabfall. Die Fantasie der "-bar"-Worte hilft Herstellern und Konsumenten nur dabei, den Gedanken daran mit bunten Farben zu übermalen. Und die Frage zu verdrängen, ob Müllvermeidung nicht besser wäre als Recycling, das nicht stattfindet.