Angela Rinn ist habilitierte evangelische Theologin, Mitglied der EKD-Synode und Pfarrerin in Mainz-Gonsenheim. Unter dem Namen Vera Bleibtreu schreibt sie Krimis. © Harald Oppitz/​KNA

Sie waren ihr Erkennungszeichen: die Birkenstock-Sandalen. Wenn sich in den späten 1980er-Jahren vor einem Vorlesungsraum der Universität Bonn besonders viele Birkenstock-Träger und -Trägerinnen tummelten, war man sich sicher: Das sind die Theologen. An anderen Universitäten war das genauso. Sogar als ich für ein Jahr nach Paris ging und das modische Bewusstsein der Pariser Bevölkerung bewunderte, sperrten sich die französischen Theologiestudierenden gegen jedes modische Diktat und trugen die bequemen deutschen Sandalen. Mit Fug und Recht konnte man damals behaupten: Schau mir auf die Füße, Kleines, und du kannst sehen, wer ich bin. Manche Pfarrer trugen sogar unter dem Talar die Birkenstock-Sandale! Es gab nur zwei Berufsgruppen, die in Sachen Schlappentragen den Protestanten das Wasser reichen konnten: Mönche und Nonnen! Aber diese Berufsgruppen gehören ja auch in den Raum der Kirche. Kein Wunder, dass manche die Treter deshalb "Jesuslatschen" nannten.

Jetzt ist alles anders. Die Schlappe ist zum modischen Accessoire geworden. Hollywoodstars staksen nicht mehr auf mörderisch hohen Absätzen durch die Gegend, sie watscheln gesund. Heidi Klum und Julia Roberts tragen die Treter mit der Korksohle, Gwyneth Paltrow und Drew Barrymore ebenfalls. Die Jesuslatsche ist hip geworden. Sogar Wolfgang Joop springt auf den Trend auf und behauptet, dass er schon sein Leben lang Birkenstock getragen habe. Ob wir ihm das glauben sollen? Ich halte das für eine apokalyptische Behauptung. In jeder ordentlichen Apokalypse datiert man sich schließlich ein paar Jahre zurück. Wolfgang Joop in den 1980er-Jahren mit Birkenstocks? Ohne Beweisfotos glaube ich das nicht. Es sei denn, er hätte damals ein paar Semester Theologie studiert.

Ich selbst habe mich übrigens damals und heute dem Trend verweigert. Das liegt zum einen daran, dass das genormte Fußbett mit meinen Füßen nicht kompatibel ist und ich in den Sandalen nicht bequem, sondern wie ein weiblicher Fakir laufe, und zum anderen, dass ich mich über die Jahre einfach an meine hohen Absätze gewöhnt habe. Wahrscheinlich sattele ich erst nach einem Oberschenkelhalsbruch um. Obwohl das Design inzwischen durchaus nach meinem Geschmack ist. Im Gegensatz zu meiner Studentinnenzeit, als es die Modelle nur offen oder geschlossen und in den Farben Weiß, Schwarz und Braun gab, kann man sie heute nämlich auch in Lack oder in Felloptik erwerben. Das trägt sicher dazu bei, dass die Treter gerade dabei sind, in Japan und in den USA alle Füße zu erobern. Sie haben sich ihr missionarisches Potenzial und damit ein Stück ihrer theologischen Identität bewahrt, zumindest in Sachen Fußgesundheit.

Ein gutes Stück Bekenntnis steckt offensichtlich immer noch in den Schlappen. So konstatiert News.de, dass die "Vogue" als "Modebibel" den Sandalen – so wörtlich – "die Absolution erteilt" habe. Damit darf die moderne Fashionista mit dem Segen der Zeitschrift bequem durchs Leben laufen – Halleluja!