Wie lässt sich Klimaschutz in Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern finanzieren? Diese Frage wird ein zentrales Thema für die Weltwirtschaft, deren 20 wichtigste Mächte am Wochenende beim G-20-Gipfel im chinesischen Hangzhou aufeinandertreffen. Und die Antwort darauf liegt auf der Hand: Das beste Instrument für einen ökologisch wirksamen und ökonomisch vertretbaren Klimaschutz wäre ein international abgestimmtes Preissystem für den Ausstoß von Kohlendioxid (CO₂).

Der Bundesverband der Deutschen Industrie, Germanwatch und das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) stellen einen gemeinsamen Vorstoß von Industrie, Zivilgesellschaft und Wissenschaft vor. Wir wollen zeigen, dass sich der scheinbar unversöhnliche Konflikt zwischen Klimaschutz, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit überwinden lässt: durch internationale CO₂-Preise.

Die G 20 ist der richtige Ort, um diese Idee voranzutreiben. Die Mitgliedsstaaten erwirtschaften mehr als 80 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung – und stoßen rund drei Viertel der Treibhausgase aus. Unsere Allianz setzt auf die G 20 als Motor für eine ausgewogene ökologische, ökonomische und soziale Entwicklung. Umso besser trifft es sich, dass Deutschland nach dem Gipfel von Hangzhou die G-20-Präsidentschaft übernehmen wird.

Wir fordern: Die deutsche Präsidentschaft muss nach der Grundsatzeinigung des Pariser Klimagipfels nun die Chance nutzen, in der G 20 weiter gehende Absprachen voranzutreiben. In den kommenden beiden Jahrzehnten müssen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer Abermilliarden Dollar in den Aufbau und Ausbau von klimaverträglicher Infrastruktur stecken. Für manche geht es vor allem um allgemeinen Zugang zu sauberem Wasser und Strom. Für andere um bessere Verkehrs- und Energieinfrastruktur. Wir meinen: Die Politik kann und muss eindeutige Signale für globalen Klimaschutz setzen – durch weltweit abgestimmte Preise für den Ausstoß von CO₂. Diese Preise sind gleich doppelt sinnvoll. Sie lenken erstens Investitionen. Und zweitens erzeugen sie Einnahmen, um den gigantischen Infrastrukturbedarf zu finanzieren.

Konkret schlagen wir vor, dass die G 20 einen Fahrplan beschließt, CO₂-Preise stufenweise einzuführen. Dieser würde signalisieren: Investitionen in Klimaschutztechnik lohnen sich langfristig. Als ersten Schritt müssten die G-20-Staaten Subventionen für fossile Brennstoffe kurzfristig abbauen. Im zweiten Schritt müssten sie Preisinstrumente einführen – etwa den Handel mit Emissionsrechten, Steuern oder Abgaben auf CO₂. Langfristiges Ziel sollte ein einheitlicher CO₂-Preis sein.

Ein solches Vorgehen würde für Volkswirtschaften und Unternehmen sicherstellen, dass die Politik dauerhaft und verlässlich Klimaschutz betreiben will. Ein nahezu weltweites Vorgehen wäre auch für energieintensive Branchen kein Wettbewerbsnachteil. Gerade für diese Sektoren der Industrie ist es überlebenswichtig, CO₂-Preissignale zwischen Standorten, die im Wettbewerb stehen, vergleichbar zu machen. Dies vermeidet Verzerrungen – und damit den Anreiz, Produktion und Emissionen einfach zu exportieren.

Wir sind nicht naiv: Die Ansätze verschiedener Länder werden sich in Konzeption, Höhe und Zeit unterscheiden. Es gibt Staaten, in denen der Start schwierig ist und die der Rest der Welt konzeptionell und finanziell unterstützen sollte. Im Laufe der Zeit müssten die verschiedenen Ansätze schrittweise zusammenwachsen.

Weltweite CO₂-Preise würden Investitionen in Richtung Klimaschutz lenken und Innovationen anstoßen, die Emissionen weiter senken. Zudem würden sie Ländern mit weniger entwickelten Steuersystemen die Chance eröffnen, künftige Infrastrukturmaßnahmen zu finanzieren – und das sogar schon mit einem zunächst moderaten CO₂-Preis. Deutschland sollte seine Führungsrolle in der G 20 nutzen, um mehr Investitionen in den Klimaschutz anzuregen. Der ideale Startpunkt wäre Hangzhou.