Verstärkt wird diese Tendenz dadurch, dass Männer in der Regel älter sind als ihre Partnerinnen. Vor allem wenn die Frau deutlich jünger ist, hat sie später oft das Nachsehen: Der ältere Mann verliert an Attraktivität, wird krank und hinterlässt schließlich eine relativ junge Witwe. Für Männer hingegen scheint es auf den ersten Blick von Vorteil zu sein, eine jüngere Frau zu haben. Einer Studie der Stockholm-Universität zufolge erhöht eine solche Verbindung ihre Lebenserwartung deutlich. Offenbar überwiegt der Verjüngungseffekt gegenüber der Anstrengung. Doch der sozioökonomische Wandel könnte das Blatt wenden: Weil Frauen finanziell unabhängiger und anspruchsvoller geworden sind, kommt es zunehmend vor, dass sie die Männer verlassen, wenn diese 70 Jahre und älter sind.

Profitieren am Ende doch nur die Männer von der Ehe?

Alles in allem scheinen die Männer dennoch bislang von der Liebe besonders zu profitieren. Das Motto "Viel hilft viel" gilt in diesem Fall aber nicht: Wer polygam lebt, also mehrere Frauen hat, etwa im arabischen Raum, setzt seine Gesundheit aufs Spiel. Einer Studie des Kardiologen Amin Daoulah aus Saudi-Arabien zufolge haben solche Ehemänner ein 4,6-fach erhöhtes Risiko, sich koronare Herzkrankheiten zuzuziehen. Offenbar sind die finanziellen und emotionalen Aufwendungen für eine zweite, dritte oder gar vierte Gattin einfach kräftezehrend.

Frauen und Männer, die möglichst lange und gut leben und verheiratet sein wollen, sollten sich daher einen einzelnen Partner suchen, der idealerweise nur ein oder zwei Jahre jünger oder älter ist.

"Bald wirst Du jetzt zweiundachtzig sein. Du bist um sechs Zentimeter kleiner geworden, Du wiegst nur noch fünfundvierzig Kilo, und immer noch bist Du schön, graziös und begehrenswert. Seit achtundfünfzig Jahren leben wir nun zusammen, und ich liebe Dich mehr denn je. Kürzlich habe ich mich von neuem in Dich verliebt, und wieder trage ich in meiner Brust diese zehrende Leere, die einzig die Wärme Deines Körpers an dem meinen auszufüllen vermag." (Brief an D., André Gorz)

Manchmal gelingt die Liebe ein Leben lang, und Paare werden gemeinsam alt. Die Hoffnung darauf treibt uns immer wieder an. Wir geben uns dem Risiko hin, liefern uns der Liebe aus. Auch wenn sie gefährlich ist: Die Liebe bringt Menschen dazu, Bindungen einzugehen, Kontinente zu bereisen, Bücher zu schreiben, Sprachen zu lernen, sich weiterzuentwickeln. Sie ist die freudigste Antriebsfeder der menschlichen Natur. Und sie überträgt eine wohltuende Kraft auf unseren Körper, die von trainierten Gesichtsmuskeln bis hin zu einer hohen Lebenserwartung reicht. Wer das Glück der langen Liebe erlebt, stärkt wie von selbst den Organismus. Der Schriftsteller Khalil Gibran hat recht, wenn er schreibt: Nur Liebe und Tod ändern die Dinge.

Dieser Artikel ist im Recherche-Verbund mit der Redaktion Medizin des Bayerischen Rundfunks entstanden.