5. Mit Fakten und guten Argumenten gegen Verschwörungstheorien

Mag sein, dass auch die besten Argumente die wirklich Verbohrten nicht mehr erreichen: Umso wichtiger ist es, unsere Leserinnen und Leser, die keine Wutbürger sind, mit Argumenten und Fakten zu versorgen – ob für das nächste Kollegengespräch oder die Terrassenparty am Wochenende. Dazu gehört auch, sich in der Zeitung mit Verschwörungstheorien oder Falschinformationen auseinanderzusetzen. Viele Medien haben schon damit angefangen: Häufig lösen sich Gerüchte, die von AfD-Anhängern in Umlauf gebracht werden, in Luft auf, wenn man sie nur nachrecherchiert.

6. Transparent machen, wie Journalisten arbeiten

Eine Frage hören wir seit einigen Monaten häufiger, wenn wir als Reporter AfD-Veranstaltungen besuchen, ob in Magdeburg oder Schwerin: "Dürfen Sie wirklich schreiben, was Sie wollen?" Da ist man erst einmal ratlos und findet die Vermutung, die da mitschwingt, absurd. Aber sie speist sich aus einer tiefen Unkenntnis über den Beruf des Journalisten. Vielleicht sollten wir den Leuten viel mehr erklären, wie wir arbeiten. Also offenlegen, unter welchen Bedingungen ein Artikel entstanden ist und wie Medien funktionieren. Viele derjenigen, die Medien kritisieren, wissen gar nicht, was Hintergrundgespräche sind, wie eine Autorisierung abläuft, wie ein Thema den Weg von der ersten Idee bis in die Zeitung schafft. Der Mitteldeutsche Rundfunk hat einmal Pegida-Demonstranten ins Funkhaus eingeladen. Einen Tag lang waren sie dabei, als ein Beitrag entstand. Hinterher sagten sie, dank dieses Besuches hätten sie nun mehr Verständnis von Redaktionsarbeit. Warum nicht auch mal in einem Text die Hürden der Recherche thematisieren?

7. Eigene Irrtümer eingestehen, valide Argumente anerkennen

Niemand hat die Weisheit gepachtet: nicht die AfD. Natürlich auch kein Journalist. Wir müssen eingestehen, wenn wir selber keine Ahnung haben. Oder wenn wir uns getäuscht haben. Die AfD reklamiert für sich, dass sie schon oft recht behalten habe mit Äußerungen, die ihr noch kurz zuvor als gefährlicher Irrsinn vorgehalten worden seien. War es wirklich so falsch, früh darauf hinzuweisen, dass südeuropäische Staaten unter dem Euro leiden? Oder zu sagen, dass mit den Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, auch Probleme verbunden sein werden? Stimmt, das hat die AfD gesagt. Und ein Argument wird nicht dadurch schlecht, dass die AfD es vertritt. Da, wo sie recht hat, sollte man ihr das zugestehen. Man kann ihr dann auch glaubhafter sagen, wo sie falschliegt. Aber selbstbewusst können Journalisten schon auch bleiben: Es gab Zeitungen, die ebenso früh vor den Problemen des Euro gewarnt haben wie vor den Risiken, die der Flüchtlingsstrom mit sich bringt, und zwar differenzierter als die AfD. Möglichst alle Perspektiven vorkommen zu lassen ist die beste Reaktion auf die große Ratlosigkeit.

8. Gewöhnliche Menschen zu Wort kommen lassen

Warum eigentlich richtet sich die Wut der AfD auf alles Etablierte, auf alle Meinungsführer und Funktionsträger? Vielleicht auch, weil manchmal der Eindruck entsteht, es kämen gar keine "normalen Bürger" zu Wort: diejenigen, die nicht schon qua Amt oder Beruf an der Bildung der öffentlichen Meinung mitwirken. In unserer Welt der professionellen Meinungsbildung klingen Argumente und Gegenargumente oft erwartbar, eingeübt und reflexhaft. Deshalb müssen die "einfachen Leute", auch die Wütenden und Enttäuschten, stärker abgebildet werden. Weil Politik nichts ist, was Funktionsträger unter sich ausmachen sollten. Und weil der Zahnarzt und der Straßenkehrer manchmal besser wissen, wo es wehtut.

9. Die AfD weder vergrößern noch ausgrenzen

Es gibt zwei AfD-Obsessionen. Die eine: Es wird über die AfD in einem Maß berichtet, als sei sie derzeit das wichtigste Thema der Welt. Die zweite: Es gibt eine Obsession der Ausgrenzung. Die Berichterstattung über die AfD wird als "Wir gegen die" zelebriert. Ständig ist von "uns" und "denen" die Rede, als gäbe es keine Gemeinsamkeiten. So macht man die AfD dann tatsächlich zu jener Fundamentalopposition, die sie vorgibt zu sein. Und da geraten wir auch mit diesem Text in eine Schleife: Denn es ist im Grunde schon problematisch, ein Thesenpapier zu veröffentlichen, das sich mit der Frage beschäftigt, wie "wir" Journalisten mit "denen" von der AfD umgehen sollten. Sprachliche Ausgrenzung wird die AfD jedenfalls nicht verschwinden lassen, sondern eher stärken. Die AfD provoziert diese Ausgrenzung, weil sie von ihr lebt. Es ist auch die AfD, die ein "Wir und die" beschwört und die in ihr "die" alles einrührt, was nicht zur Parteimeinung passt. Deshalb ist es wichtig, sie zunächst als das zu betrachten, was sie ist: eine Partei, die alles infrage stellt, aber selbst noch nicht gezeigt hat, dass sie irgendetwas besser kann. Es ist Zeit, die AfD bei der Verantwortung zu packen, statt ihre Politiker zu Aussätzigen zu erklären.

Um sie nicht größer zu machen, als sie ist.