Es klang, als könnten die Berliner Zollfahnder kaum glauben, was ihre Ermittlungsarbeit ans Licht gebracht hatte: 1,2 Tonnen illegales Elfenbein, Schwarzmarktwert rund eine Million Euro, detektiert im Transitbereich des Flughafens Schönefeld und in einer Halle im Hunsrück. Es ist der größte Fund der vergangenen zehn Jahre in Europa. Dabei ertappten die Fahnder zwei Täter beim Zersägen der Stoßzähne – einen davon hatten sie früher schon einmal festgenommen.

Schmuggelmengen wie diese stammen aus Netzwerken global organisierter Verbrecher, in diesem Fall führt die Spur nach Vietnam. Wildtier-Kriminalität ist brutal, ihre Folgen sind für die betroffenen Ökosysteme und Arten verheerend. So ist Afrikas Elefantenpopulation seit 2007 um 30 Prozent zurückgegangen. Jährlich werden rund 50 000 Tiere erschossen, um ihnen die Stoßzähne aus dem Gesicht zu hacken oder zu sägen.

Weniger offensichtlich, aber nicht weniger dramatisch sind die Folgen der Wildtier-Kriminalität für die Gesellschaften betroffener Staaten. Die Lord Resistance Army des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Joseph Kony aus Uganda finanziert sich zum Teil durch Elfenbeinschmuggel. Und selbst wenn die Täter keine Terroristen sind, fördert illegaler Elfenbeinhandel die Korruption, zerstört das Vertrauen in den Staat und hält Investoren davon ab, legale Wirtschaftszweige aufzubauen.

Wildtier-Kriminalität ist deshalb nicht allein ein ökologisches Desaster – sie ist eine Gefahr für die Stabilität und Entwicklung ganzer Regionen. Endlich haben das auch Politiker auf höchster Ebene verstanden: Die Vereinten Nationen und die Europäische Kommission haben Programme zur Bekämpfung gestartet und organisieren regelmäßige Treffen.

Noch ist der Hintergrund des deutschen Fundes unklar: Wieso lagerten die Täter mitten in Deutschland 570 Kilogramm Rohmaterial, wie bei zweiten Fund beschlagnahmt wurden? Und wieso gingen sie das Risiko ein, obwohl sie schon einmal erwischt wurden? Glaubten sie, dass der Elfenbeinhandel hierzulande so lax geahndet wird wie in Vietnam? Ist die Gewinnspanne unwiderstehlich hoch?

Dass die Zollfahnder einen solchen Fund machten, zeigt, wie ernst sie den Elfenbeinschmuggel nehmen – anders als andere Nationen. Der Fall beweist aber auch, dass Länder wie Deutschland im globalisierten Geschäft der Wildtier-Mafia zum Umschlagplatz werden können. Um das zu verhindern, müssen Ermittler über die Grenzen von Ländern und Kontinenten hinweg zusammenarbeiten und Informationen austauschen – so effektiv wie ihre Gegner.