Ein Bahnhof ist ein Ort der Erinnerungen, vielleicht hängen deshalb so viele Menschen daran. Von Altona aus fahren die Züge ans Meer, in die Sonne, die Freiheit. Im Jahr 2023 soll Schluss sein damit, dann soll der alte, etwas verwohnte Fernbahnhof dem weichen, was gerade überall in Hamburg gebaut wird: Wohnungen.

Der Bahnhof Altona wird dann, so der Plan, eineinhalb Kilometer nach Norden verlegt, wo bislang ein trostloser S-Bahnhof namens Diebsteich steht. Um Platz zu schaffen für das gigantische Projekt Neue Mitte, das einen neuen Stadtteil in zentraler Lage verspricht, mit 3.500 Wohnungen. Eines der größten Hamburger Projekte seit dem Bau der HafenCity.

Der neue Fernbahnhof soll hübsch werden, auf jeden Fall keine "Hundehütte", wie Oberbaudirektor Jörn Walter die ersten Pläne der Bahn im vergangenen Jahr nannte. Ihm schwebt "ein kleines Wahrzeichen vor, das man auch aus etwas größerer Entfernung sehen kann und das die Lage des Bahnhofs anzeigt – da ist er".

Doch sichtbar ist im Moment vor allem eines: der Widerstand.

Vergangene Woche, am Mittwochabend im sonst eher beschaulichen Planungsausschuss der Bezirksversammlung Altona, gab es für die Abgeordneten und wenigen Zuschauer einen ersten Blick in die Pläne. Seither ist mächtig was los. Manche Abgeordnete ließen Dampf ab wie früher nur die Lokomotiven.

Vorne stand Birgit Ferber, Leiterin der Projektgruppe Planung Mitte Altona in der Behörde für Stadtentwicklung, sie hielt einen kleinen Vortrag. Erzählte von der Einigung mit der Bahn im Januar, die es der Stadt erlaubt, die Pläne für eine Hundehütte zu ignorieren und stattdessen selbst den neuen Bahnhof zu bauen, auf eigene Rechnung. Als alle schon ein wenig müde waren, zeigte sie plötzlich ein Bild, wie das aussehen könnte im Jahr 2023, "erste Idee" stand darüber.

Zu sehen waren weiße Klötzchen: für die Häuser und Gewerbehallen in der Umgebung, die schon stehen. Für die überdachten Bahnsteige, die die Stadt sich wünscht. Und mittendrin: zwei ziemlich hohe weiße Klötzchen. Sie zeigten zwei Türme, die nach der ersten Idee der Planer über dem neuen Bahnhof thronen könnten – zwanzig Stockwerke hoch. Als mögliche Nutzungen stand da: "Hotel, Büros, Boardinghaus, Kultur, Sport etc., kein Wohnen, Dachgeschoss-Gastronomie denkbar."

Sofort wich die Müdigkeit aus den Gesichtern der Abgeordneten. Durch alle Fraktionen brach sich Unmut Bahn. Einer erklärte aufgebracht: Wenn das Vorhaben in dieser Form und Dimension öffentlich diskutiert werde, könnten sich die Anwesenden ob des zu erwartenden Widerstands auch den Strick nehmen. Plötzlich wehte ein Hauch von Stuttgart 21 durch den Raum.

Gibt es jetzt auch in Hamburg einen Aufstand wegen des nahenden Endes eines Sackbahnhofs?