Der Heilige Gral der Fischzüchter wird 30 Zentimeter lang, schwimmt mit azurblauer Anmut durch die tropischen Meere vor Ostafrika, Südostasien und Australien und wollte sich bisher partout nicht in Gefangenschaft vermehren: der Paletten-Doktorfisch – in freier Natur eine berührende Schönheit, im Zeichentrickfilm die fürchterlich vergessliche Titelheldin Dorie.

Schon in Freiheit ist die Vermehrung der blauen Tropenfische ziemlich kompliziert. Zu den "pelagischen Laichern" zählen Fachleute die Doktorfische. Die Tiere geben Eizellen und Spermien einfach ins offene Wasser ab. Für eine Befruchtung ist viel, sehr viel Glück nötig. Glück benötigen auch die Larven, die dann mit der Strömung durchs Meer treiben.

Die fragilen Geschöpfe, kaum zwei Millimeter groß, ernähren sich in den ersten Tagen vom Eidotter. Glück heißt für sie: optimale Wasserqualität. Glück bedeutet, dass es nicht zu warm und nicht zu kalt wird. Nach zwei Tagen entwickeln sich Augen und Mund. Dann jagen die jungen Fische Zooplankton hinterher, winzigen Tieren, die durchs Wasser treiben. Höchstens 50 Mikrometer darf die Beute am Anfang groß sein. Weiter bekommen die Jungfische ihr Maul nicht geöffnet. Zum großen Teil ernähren sie sich von Ruderfußkrebsen. Darum muss, wer Dorie züchten will, einen Vorrat an möglichst kleinen Ruderfußkrebsen bereithalten. Und das ist nur eine der Herausforderungen, mit denen Meeresforscher zu kämpfen haben.

"Bis vor Kurzem dachte ich, es sei vollkommen unmöglich, Doktorfische nachzuzüchten", sagt der Ökologe und Aquaristik-Experte Andreas Kunzmann. Er ist Arbeitsgruppenleiter am Bremer Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie und kennt den Markt für Tropenfische sehr genau. Zwei Erfolgsmeldungen von amerikanischen Biologen haben ihn umgestimmt. Zuerst gelang es Forschern aus Hawaii, einen engen Verwandten der Dorie-Art in Gefangenschaft zu vermehren, den Gelben Segelflossendoktor. Und im Juli berichteten dann Züchter aus Florida, dass es in ihren Aquarien auch mit dem Paletten-Doktorfisch geklappt habe.

Bis solche Nachzuchten auch im Handel verkauft werden, vergehen sicher noch Jahre. Und selbst wenn es so weit ist, dürften sich wahrscheinlich nur wenige Abnehmer finden. Wildfänge sind deutlich billiger. "Die Käufer sind nicht bereit, mehr zu zahlen", sagt Kunzmann. Doch er wehrt sich dagegen, die gesamte Aquaristiker-Szene zu verurteilen. "Gegen Fischerei ist im Grunde nichts einzuwenden. Es ist durchaus möglich, durch eine gezielte und gut überwachte Bewirtschaftung die Produktion an einem Riff zu erhöhen", sagt der Ökologe. "Außerdem bietet der Zierfischhandel einen finanziellen Anreiz, das Ökosystem gesund zu halten."

Sterben die Riffe, das muss man nämlich wissen, sind auch die Aquarien bald ziemlich leer: Ungefähr 1.400 Arten von Salzwasserfischen werden in Zoohandlungen verkauft, rund 20 davon lassen sich in Gefangenschaft vermehren – gerade mal jede 70. Art.

Eine dieser Ausnahmen sind zum Glück jene Anemonenfische, die zum Vorbild für die Trickfilmfigur Nemo wurden. Sie legen ihre Eier zwischen giftigen Seeanemonen ab, fächeln ihnen frisches Wasser zu und bewachen das Gelege. Sobald der Nachwuchs aus den Eiern schlüpft, ist er im Grunde selbstständig.

Aber die meisten Fische im Aquarienhandel stammen eben aus der Wildnis. Manchmal fangen Taucher die flinken Tiere mit einem kleinen Kescher. Doch besonders dort, wo ein großer Teil der Korallen und Fische beheimatet ist, in Indonesien und auf den Philippinen, ist eine andere Methode verbreitet: Giftfischen. In Indonesien spricht man von obat, Medizin.