Beachtlich an Cognac ist schon mal, dass er keinen Jahrgang hat. Anders als Wein, aus dem er gemacht wird. Anders als die meisten der noblen dunklen Schnäpse für Trinker mit Budget. Auf Cognacflaschen stehen immer nur rätselhafte, römisch anmutende Prädikate wie VSOP (very special old pale) oder XO (extra old), die alle in etwa dasselbe besagen: endlos gereift und irre erlesen.

Reif war auch die Klientel, die in meiner Jugend gerne Cognac trank. Da gab es diesen Werbespot: Junges Paar, er bringt den Chef mit nach Hause. Der hätte nach dem Essen gern einen Digestif. Schrecksekunde, dann Erleichterung: Wir haben da doch noch dieses Zeug. Eine Einstellung später sieht man den Chef, wie er sich beseelt am Kaminfeuer fläzt und seinen Schwenker kreisen lässt. Aah!

Fand ich gut, brauchte ich auch, natürlich für den Eigenbedarf. Als hänflingshafter Frühzwanziger strebt man ja nach allem, was einen erwachsener macht. Manche meiner Freunde ließen sich einen schütteren Vollbart wachsen, andere fingen an, Pfeife zu rauchen; ich konsumierte Cognac.

Er schmeckt ja auch, wenn er was taugt, irgendwie distinguiert. Vom Wein hat er das Herrische, dieses "Mich trinkst du nicht nebenbei". Schon der Geruch haut einen fast weg, erst recht aus einem dieser riesigen altmodischen Gläser. Nur Pattex hat noch mehr Bouquet. Dann dieser hochdestillierte Geschmack, der einen zwingt, nur zu nippen. Die Tropfen mit der Zunge im Mund zu verteilen und dann vom Gaumen zu saugen. Darauf herumzukauen wie auf einem Stück Brot, das einem erst seine Süße schenkt, wenn man schon nicht mehr dran glaubt.

Cognac zu trinken ist die introvertierteste Form der Angeberei. Das war schon was damals, wenn man spürte, wie der Barmann Haltung annahm. Ja, Alter, ich seh zwar nach Fanta aus, aber ich möchte ein Glas aus der tiefgrünen Flasche mit dem Stöpsel, ganz oben in deinem Regal.

Heute bin ich selber VSOP, und während ich älter wurde, hat der Cognac sich verjüngt. Inzwischen zählt er zu den Partydrogen. Das ist dem Hip-Hop zu danken. Rapper von Busta Rhymes über Jay Z bis Snoop Dogg und P. Diddy machten in den 2000ern "Nac" zu ihrem Getränk. Nur die Schwenker waren ihnen zu blöd. In Stiefeln oder Grammy-Pokalen kann der Duft sich noch besser entfalten.

"So I keep drinkin Hennessy, bustin at my enemies / Will I live to see twenty-three?" So rappt neben mir der junge Ja Rule, wann immer ich die grüne Flasche mit dem Stöpsel öffne. Und der graue Chef aus dem Werbespot wippt dazu mit dem Fuß. Drei Generationen Wichtigtuer, verbunden durch einen Drink, der keine Jahrgänge kennt.